Archiv für April 2015

„Antifa Action Wochenende“

Ab dem 30. April beginnt das „Antifa Action Wochenende“ in Thüringen mit einer Vorabenddemonstration zum 1. Mai in Saalfeld. Darüberhinaus mobilisieren die Nazis in Thüringen zu drei verschiedenen Veranstaltungen:

Erfurt 01.05.15 -> NPD Aufmarsch
Saalfeld 01.05.15 -> Aufmarsch der Neonazipartei „III. Weg“
Erfurt 02.05.15 -> Hooligandemo von „Gemeinsam stark“

Eine Gute Zusammenfassung gibt es bei der Kampagne „Es geht auch ganz anders“ aus Erfurt.

Naziaufmärsche verhindern!
Passt auf euch auf.

70. Jahre Befreiung Buchenwald und darüberhinaus

Am Wochenende des 11. April jährte sich die Befreiung des K.L. Buchenwald zum 70. mal. Aus diesem Grund reisten viele der Überlebenden des Konzentrationslagers wieder zurück an den Ort ihrer Leiden, um ihren gestorbenen Freund_innen zu Gedenken und den Schwur von Buchenwald zu erneuern. Auch einige Befreier der Amerikanischen Armee haben sich wieder nach Weimar begeben.
Die Gedenkstätte Buchenwald schuf in diesem Jahr eine besonders großes Rahmenprogramm um den 70. Jahrestag der Befreiung des Lagers am 11.04.1945. So konnten mehrere öffentliche Zeitzeugengespräche und verschiedene Gedenkveranstaltungen besucht werden, unter anderem am 11. April selbst. Der Hauptgedenkakt fand jedoch am 12.04.2015 mit einer Kranzniederlegung des Internationalen Buchenwaldkomitees statt. In diesem Zusammenhang hielten mehrere Überlebende sehr bewegende Reden und bezogen sich vielmals auf die damalige Zeit im Konzentrationslager und die eigenen Erfahrungen.

Erneuerung des Buchenwaldschwurs

Übernahme der Verantwortung

Neben den historischen Bezügen und der Erneuerung des Schwurs von Buchenwald, sprachen viele der Redner von politischen Themen mit aktuellem Bezug. So erklärte Bertrand Herz, dass man der erstarkenden extremen Rechten, welche auch im europäischen Parlament sitzt, nicht das Feld überlassen solle, verurteilte den islamistischen und antisemtischen Terrorakt in Paris und betonte die ideologische Übereinkunft des islamistischen und des neonazistischen Antisemitismus.
Günter Pappenheim sprach in seiner Rede, dass der Spruch „Wehret den Anfängen“ nicht mehr zutreffe und dass Neofaschisten schon deutlich darüber hinaus agieren. Er zeigte auf, dass der Antifaschismus gestärkt werden muss, um den Nazismus zu bekämpfen.
Ivan Ivanji – der nicht persönlich erscheinen konnte – erklärte, dass der Schwur von Buchenwald nicht erfüllt sei, bis kein Mensch mehr leiden muss und da ginge es nicht nur um Charlie Hebdo, sondern um „alle, die weiter entfernt von uns leiden, hungern, dursten, vergewaltigt und ermordet werden“ und eventuell keinen Titel in den Medien bekommen. Themen wie NPD-Verbot, aktueller Neonazismus und Antisemitismus zogen sich durch die Reden der Überlebenden des Konzentrationslagers und endeten in dem Plädoyer an die nachfolgenden Generationen das Erbe des Buchenwaldschwurs zu anzunehmen und für eine Welt in Frieden und Freiheit zu kämpfen. Wir nehmen uns diesem Schwur gerne an.
Dass Vertreter_innen der Politik auf der einen Seite die Reden der Überlebenden bejubeln und dazu aufrufen, Neonazismus an jeder Stelle zu stoppen und gleichzeitig jene verurteilen, die dafür sorgen, dass Neonazis nicht frei agieren können, ist verlogen und zeigt, dass Politiker_innen eher bei Imagebildung und Stimmenfang bleiben, als antifaschistische Arbeit zu würdigen.

„Keineswegs dürfen wir uns mit dem Zustand, in dem wir leben, zufriedengeben, keineswegs verzweifeln, wenn die Welt des Friedens und der Freiheit nur in einzelnen Ländern ansatzweise geschaffen wurde und neuerdings selbst da unerwartet wieder bedroht wird. Jetzt sind unsere Kinder und Enkelkinder gefragt, hoffentlich haben wir sie richtig aufgeklärt, tun das auch heute und hier, haben ihnen die richtigen Waffen, Werkzeuge und Ideen anvertraut.“ – Ivan Ivanji, Buchenwald am 12.04.2015

Bertrand Herz

Rote Regression

Zu solchen Gedenkveranstaltungen kommen jedoch nicht nur Menschen, die den Zeitzeugen Respekt zollen, den Verstorbenen gedenken und den Befreiern danken wollen, sondern auch eine Vielzahl in der Vergangenheit befangener kommunistischer und sozialistischer Kleinstgruppierungen. Jene, die den Mauerfall trotz ihres hohen Alters noch nicht als Realität akzeptiert haben, nicht wahrhaben wollen oder Stalin doch ganz cool finden. Während diese Menschen meistens nur eine Randerscheinung sind, sind sie bei diesem traditionellen Anlass – zumindest am Fahnenmeer gemessen – in der Überzahl gewesen. Und diese Menschen von der DKP/MLPD/SDAJ/KPD/Rebell und wie sie alle heißen, hatten ein großes Problem mit den Erzählungen des Überlebenden Marko Max Feinglod. Dieser führte nämlich an, dass das Leben für einen Häftling, der kein Kommunist sondern Jude war, wesentlich schwieriger gewesen sei und er in diesem Zusammenhang auch nicht von der Solidarität des Illegalen internationalen Lagerkomitees profitiert hatte. Als er schließlich die Selbstbefreiung des Lagers als Lüge bezeichnet, gab es erst einen Moment der totalen Stille auf dem ehemaligen Appellplatz. Anschließend versuchten Anhänger_innen der oben genannten Gruppierungen die Rede des Überlebenden durch Pfeifen und Rufen zu stören oder durch gemeinsames Buhen und „Aufhören! Aufhören!“ rufen zu übertönen. Neben der offenkundigen Respektlosigkeit gegenüber einem Überlebenden des Konzentrationslagers und seiner persönlichen Erfahrung, ist es falsch von einer alleinigen Selbstbefreiung zu sprechen. Ohne das Anrücken der III Amerikanischen Armee und der daraus resultierenden Flucht des Großteils der SS aus Buchenwald, wäre eine militärische Übernahme des Lagertors nicht möglich gewesen.
Erst der Stiftungsdirektor Volkhard Knigge schaffte es mit versöhnenden Worten die Versammlung wieder zu beruhigen, indem er darauf hinwies, dass jeder Häftling die Befreiung anders wahrgenommen habe, je nachdem in welchem Teil des Lagers er sich befand. Selbst zwischen den ehemaligen Häftlingen schien kein Konsens zu bestehen, da Pappenheim seinem ehemaligen Mithäftling direkt widersprach.
Ein würdiges Gedenken des Holocausts fordert dementsprechend nicht eine Glorifizierung des kommunistischen Widerstands – der natürlich notwendig und hilfreich gewesen ist – sondern schließt das Gedenken an alle ermordeten Menschen ein. Ganz gleich welcher Herkunft, Religion oder Häftlingsgruppe sie angehörten.

DDR-Freund_innen und Konsorten

Neben den Steinzeitkommunist_innen haben einige Antifaschist_innen eine Fahne des Staates Israel mitgebracht und so einen angenehmen Kontrast zum Fahnenmeer der Rückschrittlichen gesetzt. Denn genau diese Fahnen waren im Sommer letzten Jahres in ganz Europa auf antizionistischen und antisemitischen Demonstrationen zu sehen, die Teil des aufkommenden neuen Antisemitismus sind, den Betrand Herz in seiner Rede verurteilte. Demonstrationen auf denen der Hitlergruß gezeigt und Parolen wie „Hamas, Hamas – Juden ins Gas“ gerufen wurden und zu Angriffen auf Synagogen und jüdische Geschäfte in beispielsweise Frankreich geführt haben. Antifa bedeutet für uns sich jeglichen Formen von Antisemitismus entgegenzustellen, auch dem islamistischen.
Israel bildet nicht nur die logische Konsequenz aus der deutschen Barbarei, sondern einen Zufluchtsort und Schutzraum vor dem aufkommenden Antisemitismus in Europa und anderswo. Im Zuge der antisemitischen Demonstrationen emigrierten letztes Jahr mehrere tausend Jüd_innen aus Europa in den nahen Osten und fanden in Israel ihr neues Zuhause.

Israel und Antifa

Wir danken hiermit der US-Army und den anderen Alliierten für die Befreiung Deutschlands und dem kommunistischen Widerstand, der das Überleben für viele Menschen ermöglichte. Wir Gedenken allen Gefallenen der Alliierten, die nach Deutschland auszogen, um gegen den Nazismus zu kämpfen und allen, die durch die SS ermordet worden sind. Es bleibt zu hoffen, dass sich vor allem mehr Jugendliche den Schwur von Buchenwald zu Herzen nehmen und das Erbe weiter tragen.

Kein Vergeben, kein Vergessen!

Antifa Koordination Weimar im April 2015

Rassist_innen in Gotha stoppen!

Am Samstag, den 18. April, wollen die Rassist_innen um die Kameradschaft „Bündnis Zukunft Landkreis Gotha“ ihre menschenfeindliche Ideologie unter dem Motto „Überfremdung stoppen. Deutsche Politik für deutsche Interessen“ auf die Straße tragen.
Wir dokumentieren die letzte Infrastruktur des Bündnis refugees welcome. Den Aufruf des Bündnisses findet ihr hier.

„Die Nummer des Infotelefons lautet: 0152 169 600 97
Den Ticker erreicht ihr unter: #welcometogotha

Zugfahrzeiten:

Hannover | 8:33Uhr |Gleis 3 (bis Göttingen)
Göttingen | 10:08Uhr | 8c

Leipzig Hbf (tief) | 09:35Uhr | Gleis 2 (S-Bahn bis Halle)
Halle (Saale) | 10:23Uhr | Gleis 10

Jena West | 11:39Uhr | Gleis 1
Weimar | 11:58 Uhr | Gleis 4
Erfurt | 12:12Uhr | Gleis 3a

Nazis:
Die Nazis wollen sich um 14 Uhr auf dem, Coburger-Platz treffen und 15:00 Uhr von dort aus in Richtung Innenstadt laufen. Auf dem Neumarkt wollen sie ihre Abschlusskundgebung halten. Geplante Redner der Nazis sind: Tony Gentsch (Die Rechte), Alexander Kurth (III. Weg) , Rico Döhler (III. Weg) und zwei „Aktivisten“ aus Jena und Erfurt.

Eine Stadtkarte und EA geben wir kurz vorher bekannt!“

Bis Samstag!

Thüringen im April – Der Vormarsch der 3. US-Army

Heute vor 70 Jahren ist die 3. US-Army in Thüringen eingerückt. Wir sagen danke und verlinken einen Text der Kampagne „70 Years – Victory in Europe Day“, sowie eine Soliparty der Genoss_innen der Antifa Task Force anlässlich der Befreiung Jenas:

„Im März 1945 überschritt die 3. US-Army unter General Gerog S. Patton den Rhein und stieß zügig gen Osten vor. Ende März erreichten sie die Grenze zu Thüringen. Erst am 31. März 1945 beschlossen der US-Oberbefehlshaber in Europa, General Dwight D. Eisenhower, und General Omar N. Bradtey den Angriff auf Thüringen. Ein Grund waren den Amerikanern vorliegende Hinweise, dass sich wichtige NS-Kommandostellen nach Thüringen abgesetzt hatten. Die bereits weit nach Hessen vorgedrungene 3. US-Army erhielt für 24 Stunden freie Hand. In dieser Zeit sollte sie die thüringische Ortschaft Ohrdruf erreichen, wo sich nach Informationen eines deutschen Überläufers ein hochrangiges deutsches Hauptquartier oder eine Kommunikationszentrale befinden sollten.
Die Operationsdirektive war das Auffinden und Erobern des deutschen Nachrichtenzentrums sowie der schnelle Vormarsch auf die damalige Landeshauptstadt Weimar. Am 1. April gingen bei Creuzburg die ersten Truppen der 4. Panzerdivision über die Werra. Auf Befehl des NS-Gauleiters war die Stadt zur Festung erklärt worden. Wie zuvor schon die Brücke Hörschel wurde auch die Brücke über die Werra bei Creuzburg vor den Augen der Amerikaner bei deren Eintreffen gesprengt. Im sinnlosen Bemühen, das Vorrücken der GIs aufzuhalten, ließen viele Menschen ihr Leben.

Etwa zur gleichen Zeit waren Panzerkräfte von Herleshausen nach Altefeld und Willershausen sowie über den Hachenberg nach Ifta vorgedrungen. Nach der kampflosen Übergabe Iftas konzentrierten sich auch diese Kräfte auf den Raum Creuzburg. Beim Beschuss versank nahezu der gesamte Ort in Schutt und Asche, wer sich retten konnte floh in die umliegenden Wälder. Doch erst am 2. April gelang es den Amerikanern, den Fluss bei Creuzburg und Spichra komplett zu überqueren.
Am gleichen Tag musste der größte Teil der Häftlinge des Lagers Ohrdrufs unter SS-Bewachung in einem Todesmarsch 51 Kilometer nach Buchenwald marschieren. Die Anzahl der Häftlinge, die während des Marsches zusammenbrachen und starben oder von den SS-Bewachern erschossen wurden, kann nur geschätzt werden. Neben den 60 bis 70 Toten, die offensichtlich vor dem Marsch erschlagen oder erschossen worden waren, weil sie nicht marschfähig erschienen, gab es einige Überlebende, die sich vor den SS-Wachen verstecken und so der erneuten Verschleppung entgehen konnten.
Bis zum 4. April gelang den Truppen General Pattons dann der Vormarsch entlang der heutigen Bundesautobahn 4. Bad Salzungen, Gotha und Suhl wurden zum Teil kampflos erobert. Dazu konnten Teile des VIII. Corps der Panzerdivision und des 354th Infantry Regiment das KZ-Außenlager Ohrdruf, dank der Hilfe geflohener Häftlinge, ausfindig machen und ebenfalls befreien, genauso wie 400 gefangene britische Offiziere bei Lengenfeld.
Eisenhower, der das Lager in Ohrdruf besuchte, beschrieb es wie folgt: “…the most interesting—although horrible—sight that I encountered during the trip was a visit to a German internment camp near Gotha. The things I saw beggar description. While I was touring the camp I encountered three men who had been inmates and by one ruse or another had made their escape. I interviewed them through an interpreter. The visual evidence and the verbal testimony of starvation, cruelty and bestiality were so overpowering as to leave me a bit sick. In one room, where they were piled up twenty or thirty naked men, killed by starvation, George Patton would not even enter. He said that he would get sick if he did so. I made the visit deliberately, in order to be in a position to give first-hand evidence of these things if ever, in the future, there develops a tendency to charge these allegations merely to ‘propaganda.’“