Archiv für Mai 2015

Rassistischer Übergriff in Weimar

Wie die TLZ berichtete, wurde ein 40 Jahre alter Mann aus Serbien Opfer eines rassistisch motivierten Angriffs.
Der Mann stand am 25. Mai gegen 19:30 an der Bushaltestelle Ettersburgerstraße/Rießnerstraße und wartete auf den Bus richtung Asylbewerber_innenheim.
Der Täter, der vom Betroffenen als „groß, dick und blond“ beschrieben wird, rammte ohne Vorwarnung den Kopf in das Gesicht des 40-Jährigen und brach ihm damit die Nase. Polizei und Staatsschutz nehmen die Ermittlung auf.

Wir solidarisieren uns mit dem Betroffenen und allen Opfern rechter Gewalt.

Sollte es zu diesem Fall in nächster Zeit weitere Informationen geben, werden wir diese hier ergänzen.

Michael Zeise aus dem Weimarer Land

via Thüringen Rechtsaußen:

„Immer wieder taucht in Veranstaltungsankündigungen von Neonazis ein namenloser “freier Aktivist aus Thüringen” oder “freier Nationalist aus Thüringen” auf, der im Gegensatz zu anderen Rednern viel Wert darauf legt nicht beim Namen genannt zu werden. In beinahe allen Fällen seit ca. einem halben Jahrzehnt handelt es sich dabei um den 27-jährigen Michael Zeise, welcher auch 2014 und 2015 eine federführende organisationsübergreifende Rolle in der Thüringer Neonazi-Szene einnahm und auch als gewalttätiger Anheizer agiert.


Michael Zeise am 7. Februar 2015 in Weimar

Der geborene Weißenfelser, der lange Zeit in Apolda lebt(e), wurde teilweise auch als “Aktivist aus dem Weimarer Land” angekündigt, wie beispielsweise als Redner zum 10. Thüringentag der nationalen Jugend in 2010 Pößneck sowie beim Thüringentag 2013 in Kahla. In den vergangen Monaten war er besonders umtriebig und gehörte zum Organisationskreis des “Thüringer Heldengedenken”, welches in Friedrichroda nach einem Flopp im Vorjahr wieder rund 120 Neonazis zum Fackelmarsch am 16. November 2014 mobilisierte. Zeise hielt dort genauso einen Redebeitrag wie am 7. Februar 2015 zum “Trauermarsch” in Weimar mit 130 Neonazis. Redebeiträge folgten auch bei mehreren Thügida-Demonstrationen wie am 23. Februar in Erfurt, am 18. April “gegen Überfremdung” in Gotha sowie am 1. Mai 2015 beim III. Weg in Saalfeld, wo er stets mit Sonnenbrille, rotem Bärtchen und Basecap hinter dem Mikrofon stand. Ebenso in Sachsen-Anhalt war er im 1. Halbjahr 2015 viel mit Beiträgen präsent, zum Beispiel bei Neonazi-Veranstaltungen in Halle, Halberstadt und Merseburg.

Hetzreden bei Aufmärschen in Thüringen und anderen Bundesländern

Mit seinen Wortmeldungen versucht er auch gezielt den aktionistischen und militanten Teil innerhalb der “Freien Kräfte” anzusprechen. Bei der ersten Thügida-Demonstration heizte er die Menge an und verkündete vom Lautsprecherwagen aus in Richtung einer friedlichen Sitzblockade: “Wären hier nicht so viele Polizisten, dann würde euch das Volk mal zeigen, was es von eurer Nummer hält”, woraufhin die Neonazis “Düberlaufen, Drüberlaufen” skandierten und Zeise mit weiteren Durchhalte-Parolen motivieren zu versuchte, darunter: “Wir bleiben hier der Herr im Haus, unsere Städte unsere Regeln”. Zeise selbst ist als Gewalttäter bekannt und scheut sich auch nicht vor Handgreiflichkeiten und Attacken bei jenen Demonstrationen, bei denen er selbst als Redner auftritt. Wenige Wochen nach den Hooligan-Ausschreitungen in Köln verkündete er öffentlich Sympathien mit den Hooligans von “HoGeSa”. Zwar seien die Leute nicht alle “auf Linie”, aber im “Kampf um das Überleben” und gegen den Volkstod kämpfe man mit den “vermeintlich etwas grobschlächtigen Recken” auf der selben Seite, so Zeise. Beim Trauermarsch von Michel Fischer im Februar 2015 trug Zeise während seiner Rede bereits eine Mütze der Partei “Der III. Weg” und forderte “70 Jahre sind genug”. Man müsse sich vom “Deutschen Schuldkult” lösen und benötige ein “artgerechtes Leben in unserer Heimat ohne Entartung und Entfremdung”, ehe er Asylsuchende mit “Affen” gleichsetzte und Protestierende zum “Abschaum” erklärte. Sein Kernthema bestand jedoch aus der geschichtsrevisionistischen Verklärung der Bombenangriffe auf Weimar 1945 und einer Täter-Opfer-Umkehr bei den NS-Verbrechen. Zeises Dank an die deutschen Soldaten von damals überrascht dann ebenso wenig, wie der Respekt an “den großartigsten Mann den die Geschichte je gesehen hat”. Auch ohne den Namen Hitler aussprechen zu müssen, wussten die Teilnehmer des “Trauermarsches” wer wohl damit gemeint war.

Verbindung zum NSU-Helfer Ralf Wohlleben

Bereits in den Jahren 2009/2010 trat Zeise als Führungsfigur der “Autonomen Nationalisten Weimar” in Erscheinung, stolperte jedoch sehr bald über die Tücken des “Weltnetzes”, als das von ihm betreute Emailpostfach der “AN Weimar” gehackt wurde. So hatte Michael Zeise auch regen Kontakt mit dem Jenaer Neonazi Ralf Wohlleben, der inzwischen als mutmaßlicher NSU-Helfer seit 3,5 Jahren in Untersuchungshaft sitzt. Am 20. Juni 2009 übermittelte Wohlleben über die Emailadresse des Aktionsbüro Thüringen im Anschluss an ein internes Koordinierungstreffen an Zeise eine Kontaktliste mit Mobilnummern und Mailadressen von Führungspersonen aus Erfurt, Jena, Gera, Südthüringen, Saalfeld, dem Altenburger Land und anderen Orten. Auch Zeise nahm als Vertreter der “Autonomen Nationalisten Weimar” bei derartigen Treffen teil. Er und Wohlleben tauschten Texte aus und führten Absprachen durch. So erhielt Zeise beispielsweise am 16. September 2009 von “Wolle” die Einladung für das nächste Thüringer Koordinierungstreffen, welche bis zur Schließung vor allem im “Braunen Haus” in Jena stattfanden. Wenige Tage später am 28. September folgte der Hinweis von Wohlleben für eine nicht öffentlich beworbene “Spontandemonstration” am Folgetag in Arnstadt und am 30. Oktober ein 7-seitiger Bericht eines SS-Unterscharführers über dessen Erlebnisse kurz vor Kriegsende 1945. Wohlleben unterstützte Zeise auch bei einer Geldzahlung an die Berliner Neonazi-Szene um Sebastian Schmidtke im Vorfeld eines Neonazi-Aufmarsches am 1. Mai 2010 in Berlin. Der Apoldaer versprach den Berlinern “wir werden eure Demo ebenfalls unterstützen und hier in der Region kräftig dafür mobilisieren”. Über Wohllebens Paypal-Account wurde dann die Bestellung von 1000 Flugblättern, 50 Plakaten und 500 Aufkleber abgewickelt, “Wolle” quittierte am 16. März 2010 “Geld ist raus” und das Material landete bei Zeises Privatadresse in Apolda. Am 1. Mai sollte jedoch gleichzeitig eine Demonstration der Thüringer NPD in Erfurt stattfinden.

Im Vorfeld revoltierten bereits “Freie Kräfte” aus Thüringen, angeführt von Wohlleben gegen diese Demonstration. Im kleinen Kreis von 14 Führungspersonen aus NPD und “Freien Kräften” in Thüringen, darunter Michael Zeise, folgte eine tagelange Schlammschlacht zwischen Wohlleben und Wieschke. Wohlleben warf Wieschke damals vor, der Titel der Demo “NPD und Freier Widerstand Thüringen: 1. Mai 2010 – Arbeit statt Abwanderung” sei gelogen, weil der Freie Widerstand gar nicht gefragt wurde. Außerdem wäre Wieschke wegen verschiedenster Eskapaden ungeeignet als Koordinator für diese Demo, Wieschke hätte zudem den bei “Freien Kräften” hoch angesehenen Rechtsterroristen Peter Nürnberger als ‘Assi’ bezeichnet, würde nur lügen und hätte Wohlleben schließlich Ende 2009 bei der Betreuung der Seite http://www.npd-thueringen.de mit “sofortiger Wirkung untersagt (…) ohne Genehmigung des Landesvorstandes Artikel einzustellen”. Wieschke wiederum verwies auf den Rückhalt des NPD-Landesvorstandes und beklagte Zugriffseinschränkungen durch Wohlleben, welcher ankündigte “ein Forum für den gesamten Landesverband nur dann zu erstellen, wenn ich dort kein Administrator werde”. Auch Zeise meldete sich zur Demoplanung zu Wort: ” auch von uns kommt für diese Sache eine Absage”, für den 1. Mai bestünden andere Planungen (Berlin), es gebe keinen Sinn für eine Demo in Erfurt und überhaupt sei der “Umgang mit freien bzw. schwarz gekleideten Kameraden noch in bester Erinnerung”. Eine Anspielung auf restriktive Kleidungsvorschriften der Thüringer NPD, die darauf abzielten die bürgerliche Fassade zu wahren und dem Auftreten “Autonomer Nationalisten” Einhalt zu gebieten. Der Streit gipfelte in einer Stellungnahme mit dem Titel “Erklärung parteifreier Kräfte zur 1.Mai Demonstration in Erfurt” welche Wohlleben verfasste, um “über die wahren Vorgänge zu informieren”. Zeise antwortete: “So an sich gut geschrieben und treffend formuliert” und ließ die “Autonomen Nationalisten Weimar” drunter setzen. Weitere Unterstützer der Schrift, die im Februar 2010 veröffentlicht wurde, waren das FN Jena, das FN Saalfeld, Freie Kräfte Mitte- und Südthüringen, Smash the Exploiters, Media Pro Patria und Freie Kräfte Saale Orla.

Leitfaden zur Begehung von Straftaten

Zeise gehörte zu jenen Reisegruppen von “Autonomen Nationalisten” aus Thüringen, die regelmäßig auch bundesweite Neonazi-Aufmärsche besuchten. Zu seinen Kontakten gehörte auch der Normannia-Burschenschafter Tobias Winter aus dem Umfeld des FN Jena/Kahla, über dessen Blood & Honour Verbindungen wir hier berichtet haben. Zeise und Winter haben zusammen Texte unter dem Namen der “Autonomen Nationalisten Weimar” geschrieben, in einem heißt es: “Nationalismus bedeutet nicht nur, sich nationale Rockmusik anzuhören, oder alle drei Strophen der Nationalhymne zu kennen! Nationalismus bedeutet vor allem, Deutsch zu leben, Deutsch zu denken und Deutsch zu fühlen”. Ab dem 16. September 2009 fertigten beide einen internen Verhaltenskatalog an, die Entwurfsfassung dazu kam von Tobias Winter unter dem Namen “Autonomen Nationalisten Weimar” und dem Titel “Regularien zur Verziehrung”. In dem Papier wird Thüringer Neonazis erklärt, wie diese am besten politisch motivierten Sachbeschädigungen zu verüben haben. Mit “Verzierungen” sind dabei in erster Linie Neonazi-Sprühereien und Plakatierungen gemeint. Darin heißt es, dass solche Aktionen an Kaufhallen und öffentlichen Läden zu vermeiden sind, ebenso an Gebäuden mit “kulturellen Hintergrund”. Gleichwohl wird betont, das Schulen ausdrücklich für Sprühereien und Klebeaktionen erlaubt seien. Außerdem “Busse, Straßenbahnen, oder sonstige öffentliche Verkehrsmittel, da so ein größeres Gebietssprektrum mit unserer Sache beworben werden kann.” Weiterhin werden aufgezählt: “Litfaßsäulen, Transformatorhäuschen, Fassaden/Garagentoren von leerstehenden Gebäuden, Bushaltestellen, Das Bürgerbüro der Linkspartei oder anderen Einrichtungen des politischen Gegners insbesondere vermeintlich soziokulturelle Zentren mit mutmaßlich linken Hintergründen”. Damit die Polizei die Täter möglichst nicht erwischt, wurde darauf hingewiesen, die Straftaten nur “im Schutze der Dunkelheit zu verüben, da so eine größere Möglichkeit besteht unerkannt zu bleiben!”. Außerdem sollen die Aktionen “nur mit mindestens Zwei Personen erfolgen” und das “Gesicht sollte, so gut es geht, verdeckt bleiben”. Dies könne “durch Palitücher, schwarze Tüchern oder sonstigen Textilien umgesetzt werden. Dabei getragene Kleidung sollte möglichst ohne Aufdruck konzipiert dein, um einen möglichen Wiedererkennungswert des Gegners zu unterbinden.” Generell sei “vor jedem einzelnen Vorhaben höchste Umsichtigkeit”, außer bei “Schnipselaktionen zu Gedenktagen”, diese können auch von Einzelpersonen umgesetzt werden. Abschließend heißt es “Eventuelle „Fluchtgassen“ sind vorweg zu analysieren! Prinzipiell ist über jede verübte Aktion absolutes Stillschweigen zu bewahren!”. Nach dem vorliegenden Papier sind in der Folgezeit eine Vielzahl von Straftaten nach diesem Schema in Weimar und im Weimarer Land von Neonazis verübt worden. Zeise agierte im Internet auch unter dem Pseudoym “Sören Bergvist” sowie im Neonazi-Forum “Thiazi” mit dem Namen “Alerta NS”.

Zuletzt trat Zeise am 1. Mai 2015 in Saalfeld bei der Demonstration vom III. Weg als Redner auf und würdigte den “Arbeiterkampftag” seit 1933. In seiner Rede hieß es unter anderem “Ein Gespenst geht um in Saalfeld, ein Gespenst des nationalen Sozialismus. (..) Heute gibt es nicht Sügida, heute gibt es das Original” womit er die besonders radikal auftretenden Neonazi-Szene gemeint haben dürfte, welche über den Tag hinweg mehrfach Gegendemonstranten, Polizisten und Journalisten attackierte. Bislang betreibt Zeise weiterhin sein “Hopping” zwischen den verschiedenen Neonazi-Organisationen, es bleibt abzuwarten ob er sich in diesem Jahr noch irgendwo binden wird. Wo Nazi drin ist, kann man zumindest auch Nazi drauf schreiben. Drückeberger Zeise kann sich die Heimlichtuerei künftig auch sparen und mit seinem Klarnamen zu seinen Hetzreden stehen.“

Programm des IDAHO in Weimar

Nach einem Straßenfest und anschließender Auftaktparty letzten Samstag dokumentieren wir hier gerne das Weimarer Programm zum Internationalen Tag gegen Homophobie IDAHO. Genauere Infos gibts bei der AG Queer Weimar.

Dienstag 19.05.15
19.00 Vortrag & Diskussion „Antifeminismus in den Medien“
mit Isolde Aigner (Sozialwissenschaftlerin, Redakteurin von Wir Frauen)
Der Vortrag widmet sich antifeministischen Denkmustern in Leitmedien am Beispiel des FOCUS. Es folgt ein Exkurs zu geschlechterpolitischen Deutungskämpfen innerhalb der „Sexismusdebatte“ (2013).
Ort: Radio Lotte (Goetheplatz 12)
Eintritt frei

Dienstag 26.05.15

19.00 Vortrag & Diskussion AfD – Geschlechterrollen und Familienbilder von Vorgestern
mit Lisa Schäder (DGB-BWT)
Die klassische Vater-Mutter-Kind-Familie als „Keimzelle der Gesellschaft“? Gender Mainstreaming als „moralische und ideologische Umerziehungskampagne“? Familienpolitik als „Bevölkerungspolitik“? Wer vermutet diese Positionen können nur aus längst vergangenen Zeiten stammen, liegt leider falsch. Aussagen wie diese lassen sich in zahlreichen aktuellen Beschlüssen und Programmatiken der Alternative für Deutschland (AfD) finden. Denn auch wenn sich die AfD in ihren Anfängen vor allem als „Anti-Euro-Partei“ zu etablieren versuchte, so rückten doch im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg geschlechter- und familienpolitische Fragen, neben Themen wie Migration & Asyl, endgültig in den Vordergrund. Für welche familien- und geschlechterpolitischen Positionen steht die AfD nun genau? Welche Akteure, Netzwerke und Interessengruppen sind in diesem Kontext relevant? Wie lässt sich der Erfolg dieses „Familienbildes von vorgestern“ erklären? Diesen Fragen soll im Rahmen der Veranstaltung gemeinsam auf den Grund gegangen werden.
Ort: Radio Lotte (Goetheplatz 12)
Eintritt frei

Mittwoch 27.05.15
19.00 Podiumsdiskussion Maskulismus, Antifeminismus, Rechtspopulismus – Analysen und Gegenstrategien
auf dem Podium sitzen: Bettina Staudenmeyer (Uni Jena), Peter Reif-Spirek (Landeszentrale für politische Bildung, Ef) und Stephie (Frauen*kampftag, Ef)
Ort: Radio Lotte (Goetheplatz 12)
Eintritt frei

Donnerstag 28.05.15

19.00 Lesung „Geschlechterrollen und andere (Kinder-) Märchen“
In frühem Alter wird das Bewusstsein für das eigene „Geschlecht“ konstruiert. Kinder lernen durch Vorbilder und Nachahmen. Was aber lernen sie von uns? Welche Geschichten, Anschauungen und Vorbilder bieten wir ihnen an? Die AG Queer Weimar hat die aktuelle Kinderliteratur für Kinder im Vorschulalter unter die Lupe genommen. Wir möchten an unserem Leseabend zeigen, was der Buchmarkt so außerhalb des üblichen Radius für uns vorhält, dass sich ein Perspektivwechsel lohnt, weil er Toleranz fördert und den Blick für Vielfalt weitet. Ganz in unserem Sinne. Unterhaltsam wird es allemal, wir werden alle Bücher auch auf einem Büchertisch bereithalten. Freut Euch auf tolle Geschichten mit weinenden Männern, kämpfenden Prinzessinnen, Ungeheuern und einer dunkelhäutigen Großfamilie, die ein weißes Baby adoptiert…
Ort: Other Music Academy FB-Link (Ernst-Kohl-Str. 23)
Eintritt frei

Programm
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Der erste Mai und seine Nazis

Das sog. „Antifa Action Wochenende“ neigt sich dem Ende und wir wollen eine Bilanz zu den Weimarer Nazis bzw. zu Weimar ziehen, nicht zu den Veranstaltungen oder der Organisation in Saalfeld oder Erfurt selbst. Die Nazidemonstrationen und Gegenproteste werden vermutlich die lokalen Antifa Gruppen auswerten.

Weimarer Nazis

Am Morgen des 01. Mai versammelten sich circa 30 Neonazis am Weimarer Bahnhof, um den gemeinsamen Weg zum Aufmarsch der Neonazipartei „III. Weg“ nach Saalfeld anzutreten. Unter ihnen befanden sich sowohl einige Weimarer Gesichter, wie Thomas Holzinger und Christopher Seelig, sowie der Anführer der mittlerweile inaktiven Neonazigruppierung „Aktionsgruppe Weimarer Land“ (AGWL) Michel Fischer aus Tannroda. Ein Großteil der genannten Gruppe am Bahnhof bestand jedoch nicht aus Weimarer Neonazis, viel mehr wirkte es so, als sei Weimar ein Treffpunkt für befreundete Kameraden gewesen, die den Weg nach Saalfeld ab hier gemeinsam fahren wollten. So war beispielweise der Suhler Neonazi Philipp Miene unter ihnen, dessen Kontaktverbot zu Fischer seit dem 03. April aufgehoben ist.
Die Weimarer – dementsprechend vermutlich auch die nach Weimar zugereisten – Neonazis sammelten sich im „Autonomen Block“ auf der Saalfelder Demonstration, zusammen mit Nazis aus ganz Thüringen, Hessen und darüberhinaus. Interessant war, dass Fischer, Holzinger und Seelig in Saalfeld in unterschiedlichen Grüppchen zu laufen schienen, während sie in Erfurt einen Tag später gemeinsam auftraten.

Autonomer Block in Saalfeld, Fischer am Transparent

Die organisierte Anreise am 01.05. zeigt einmal mehr, dass die Weimarer Nazis in Thüringen sehr gut vernetzt sind und auch der umstrittene Michel Fischer wieder akzeptiertes Mitglied in der Thüringer Clique der freien Kräfte ist, was auch daran liegen mag, dass Fischer seine Profilierungsstrategie mehr oder minder eingestellt und in letzter Zeit keine armseligen Veranstaltungen angemeldet hat. Fischer stand hinter dem Fronttransparent des „Freien Netz Hessen“ (FN Hessen) und hielt beispielsweise einen Plausch mit dem ehemaligen Landesvorsitzenden der NPD Hamburg Thomas „Steiner“ Wulff. Seit seinem eigenen Aufmarsch am 07.02.2015 in Weimar ist er vereinzelt auf ThüGIDA Veranstaltungen und dem Naziaufmarsch in Gotha mitte April aufgetaucht. Gerüchten zufolge soll Fischer nach Weimar gezogen sein. Es gibt aber einiges, was dagegen spricht.

Fischer im Plausch mit Wulff

Thomas Holzinger machte am Tag nach seinem Outing auf sich aufmerksam, als er mit einem weiteren Neonazi Student_innen der Bauhausuniversität mit einem Teleskopschlagstock bedroht hat. Angeblich war er auf der Suche nach jemandem, hat diese Person(en) aber nicht finden können. Seit dem Weimarer Aufmarsch (zu dem er übrigens 600 KameradInnen erwartet hat, schade Thommi) ist er nicht mehr öffentlich auf Demonstrationen aufgetaucht, erst der 01. Mai in Saalfeld und der 02. Mai auf der Demonstration des Hooliganvereins „Gemeinsam Stark“ in Erfurt haben ihn wieder mal auf die Straße gebracht. Auf der Demonstration in Saalfeld war er mit einem Erfurter Neonazi unterwegs (evtl. Dirk Liebau) und hat auf dieser auch Tränengas abbekommen. Daher lässt sich vermuten, dass sie am Ausbruchsversuch der Neonazis beteiligt waren. Holzinger und Liebau (?) sind am Abend des 01. mit dem Zug in Weimar angekommen und zu Holzingers Wohnung gelaufen.

Tränengas und Thomas

Christopher Seelig ist im ersten Quartal 2015 aufgefallen, weil er Jugendliche auf der Zugfahrt zur „PEGADA“-Demonstration geschlagen und bedroht hat. Bei Fischers Aufmarsch in Weimar war er, aus welchen Gründen auch immer, nicht zugegen und ist seitdem nicht mehr Öffentlich in Erscheinung getreten. Nach seinem Outing hat Seelig seinen Job bei DPD verloren, weil er laut DPD unzuverlässig war. Gerüchten nach muss Seelig demnächst auch eine Gefängnisstrafe antreten. Ob er aus diesem Grund oder wegen des Outings seine Wohnungsmöbel verkaufen will, wissen wir nicht genau. Auffällig war, dass Seelig sich sowohl auf der Demonstration in Saalfeld als auch in Erfurt komplett vermummt hat und ziemlich agressiv aufgetreten ist. Generell waren die Weimarer Neonazis dieses Wochenende erlebnisorientiert.

Christopher Seelig - trotzdem erkannt

Seelig Möbelverkauf

Christopher Seelig, Thomas Holzinger, Michel Fischer und sein Vater Paul sind an diesem Wochenende auch zur „Gemeinsam Stark“ Demonstration des HoGeSa nahen Vereins gefahren.

Erfurt, Gruppenfoto

Nazis in Weimar

Während in Saalfeld und Erfurt Neonazis ihre Aufmärsche zumindest teilweise durchführten, kam es mittags in Weimar zu einem Angriff von einer Gruppe von circa 40 Neonazis auf die traditionelle DGB-Kundgebung auf dem Weimarer Marktplatz. Die Gruppe stürmte den Platz, versuchte das Mikrophon der Bühne an sich zu nehmen und attackierte die Teilnehmer_innen der Kundgebung des DGB, hierbei wurden drei Personen verletzt. Es musste niemand im Krankenhaus behandelt werden. Die Gruppe der Neonazis konnte sich vorerst vom Markt wegbewegen, 27 Personen wurden wenig später in der Tiefgarage unter dem Beethovenplatz festgenommen und daraufhin erkenndungsdienstlich behandelt. Dabei stellte sich wohl heraus, dass die fünf Frauen und 22 Männer zwischen 18 und 35 Jahre alt sind und aus Thüringen, Hessen, Sachsen und Brandenburg stammen. Laut Polizei sind die Nazis in Autos mit Kennzeichen aus Görlitz, Magdeburg, Dresden und Bautzen nach Weimar gereist, zudem war eine Flagge der sächsischen Kreisstadt „Borna“ im Block zu erkennen. Da die AngreiferInnen Fahnen und Flyer der NPD-Jungedorganisation „Junge Nationaldemorakten“ (JN) mit sich trugen, lässt sich vermuten, dass sie sich auf dem Weg zum NPD-Aufmarsch nach Erfurt befanden und sie sich spontan entschieden haben stattdessen nach Weimar zu reisen.

Angriff auf DGB-Kundgebung in Weimar

Gegen Abend verdichteten sich Gerüchte, dass die Nazis auf dem Nachhauseweg aus Saalfeld eine Spontandemonstration durch Weimar planten, da der „III. Weg“ auf der Abschlusskundgebung dazu aufgerufen hat. Aus diesem Grund versammelten sich am Freitagabend noch einige Antifaschist_innen am Weimarer Bahnhof, um die Nazis zu empfangen. Anfangs sah es auch so als, als würden sich die Gerüchte bewahrheiten, denn es tauchten drei Dutzend Polizeitransporter auf, mit einer kompletten Hundertschaft beladen. Aus dem Bahnhof tauchten jedoch nur Thomas Holzinger, begleitet von Dirk Liebau (?) und Christopher Seelig auf, die nach kurzer Besprechung mit der Polizei nach Hause fuhren.

Polizeiaufgebot

Holzinger und Liebau in Weimar

Wir solidarisieren uns mit allen Opfern rechter Gewalt.
Antifa heißt Selbstschutz!

Antifa Koordination Weimar im Mai 2015