Der erste Mai und seine Nazis

Das sog. „Antifa Action Wochenende“ neigt sich dem Ende und wir wollen eine Bilanz zu den Weimarer Nazis bzw. zu Weimar ziehen, nicht zu den Veranstaltungen oder der Organisation in Saalfeld oder Erfurt selbst. Die Nazidemonstrationen und Gegenproteste werden vermutlich die lokalen Antifa Gruppen auswerten.

Weimarer Nazis

Am Morgen des 01. Mai versammelten sich circa 30 Neonazis am Weimarer Bahnhof, um den gemeinsamen Weg zum Aufmarsch der Neonazipartei „III. Weg“ nach Saalfeld anzutreten. Unter ihnen befanden sich sowohl einige Weimarer Gesichter, wie Thomas Holzinger und Christopher Seelig, sowie der Anführer der mittlerweile inaktiven Neonazigruppierung „Aktionsgruppe Weimarer Land“ (AGWL) Michel Fischer aus Tannroda. Ein Großteil der genannten Gruppe am Bahnhof bestand jedoch nicht aus Weimarer Neonazis, viel mehr wirkte es so, als sei Weimar ein Treffpunkt für befreundete Kameraden gewesen, die den Weg nach Saalfeld ab hier gemeinsam fahren wollten. So war beispielweise der Suhler Neonazi Philipp Miene unter ihnen, dessen Kontaktverbot zu Fischer seit dem 03. April aufgehoben ist.
Die Weimarer – dementsprechend vermutlich auch die nach Weimar zugereisten – Neonazis sammelten sich im „Autonomen Block“ auf der Saalfelder Demonstration, zusammen mit Nazis aus ganz Thüringen, Hessen und darüberhinaus. Interessant war, dass Fischer, Holzinger und Seelig in Saalfeld in unterschiedlichen Grüppchen zu laufen schienen, während sie in Erfurt einen Tag später gemeinsam auftraten.

Autonomer Block in Saalfeld, Fischer am Transparent

Die organisierte Anreise am 01.05. zeigt einmal mehr, dass die Weimarer Nazis in Thüringen sehr gut vernetzt sind und auch der umstrittene Michel Fischer wieder akzeptiertes Mitglied in der Thüringer Clique der freien Kräfte ist, was auch daran liegen mag, dass Fischer seine Profilierungsstrategie mehr oder minder eingestellt und in letzter Zeit keine armseligen Veranstaltungen angemeldet hat. Fischer stand hinter dem Fronttransparent des „Freien Netz Hessen“ (FN Hessen) und hielt beispielsweise einen Plausch mit dem ehemaligen Landesvorsitzenden der NPD Hamburg Thomas „Steiner“ Wulff. Seit seinem eigenen Aufmarsch am 07.02.2015 in Weimar ist er vereinzelt auf ThüGIDA Veranstaltungen und dem Naziaufmarsch in Gotha mitte April aufgetaucht. Gerüchten zufolge soll Fischer nach Weimar gezogen sein. Es gibt aber einiges, was dagegen spricht.

Fischer im Plausch mit Wulff

Thomas Holzinger machte am Tag nach seinem Outing auf sich aufmerksam, als er mit einem weiteren Neonazi Student_innen der Bauhausuniversität mit einem Teleskopschlagstock bedroht hat. Angeblich war er auf der Suche nach jemandem, hat diese Person(en) aber nicht finden können. Seit dem Weimarer Aufmarsch (zu dem er übrigens 600 KameradInnen erwartet hat, schade Thommi) ist er nicht mehr öffentlich auf Demonstrationen aufgetaucht, erst der 01. Mai in Saalfeld und der 02. Mai auf der Demonstration des Hooliganvereins „Gemeinsam Stark“ in Erfurt haben ihn wieder mal auf die Straße gebracht. Auf der Demonstration in Saalfeld war er mit einem Erfurter Neonazi unterwegs (evtl. Dirk Liebau) und hat auf dieser auch Tränengas abbekommen. Daher lässt sich vermuten, dass sie am Ausbruchsversuch der Neonazis beteiligt waren. Holzinger und Liebau (?) sind am Abend des 01. mit dem Zug in Weimar angekommen und zu Holzingers Wohnung gelaufen.

Tränengas und Thomas

Christopher Seelig ist im ersten Quartal 2015 aufgefallen, weil er Jugendliche auf der Zugfahrt zur „PEGADA“-Demonstration geschlagen und bedroht hat. Bei Fischers Aufmarsch in Weimar war er, aus welchen Gründen auch immer, nicht zugegen und ist seitdem nicht mehr Öffentlich in Erscheinung getreten. Nach seinem Outing hat Seelig seinen Job bei DPD verloren, weil er laut DPD unzuverlässig war. Gerüchten nach muss Seelig demnächst auch eine Gefängnisstrafe antreten. Ob er aus diesem Grund oder wegen des Outings seine Wohnungsmöbel verkaufen will, wissen wir nicht genau. Auffällig war, dass Seelig sich sowohl auf der Demonstration in Saalfeld als auch in Erfurt komplett vermummt hat und ziemlich agressiv aufgetreten ist. Generell waren die Weimarer Neonazis dieses Wochenende erlebnisorientiert.

Christopher Seelig - trotzdem erkannt

Seelig Möbelverkauf

Christopher Seelig, Thomas Holzinger, Michel Fischer und sein Vater Paul sind an diesem Wochenende auch zur „Gemeinsam Stark“ Demonstration des HoGeSa nahen Vereins gefahren.

Erfurt, Gruppenfoto

Nazis in Weimar

Während in Saalfeld und Erfurt Neonazis ihre Aufmärsche zumindest teilweise durchführten, kam es mittags in Weimar zu einem Angriff von einer Gruppe von circa 40 Neonazis auf die traditionelle DGB-Kundgebung auf dem Weimarer Marktplatz. Die Gruppe stürmte den Platz, versuchte das Mikrophon der Bühne an sich zu nehmen und attackierte die Teilnehmer_innen der Kundgebung des DGB, hierbei wurden drei Personen verletzt. Es musste niemand im Krankenhaus behandelt werden. Die Gruppe der Neonazis konnte sich vorerst vom Markt wegbewegen, 27 Personen wurden wenig später in der Tiefgarage unter dem Beethovenplatz festgenommen und daraufhin erkenndungsdienstlich behandelt. Dabei stellte sich wohl heraus, dass die fünf Frauen und 22 Männer zwischen 18 und 35 Jahre alt sind und aus Thüringen, Hessen, Sachsen und Brandenburg stammen. Laut Polizei sind die Nazis in Autos mit Kennzeichen aus Görlitz, Magdeburg, Dresden und Bautzen nach Weimar gereist, zudem war eine Flagge der sächsischen Kreisstadt „Borna“ im Block zu erkennen. Da die AngreiferInnen Fahnen und Flyer der NPD-Jungedorganisation „Junge Nationaldemorakten“ (JN) mit sich trugen, lässt sich vermuten, dass sie sich auf dem Weg zum NPD-Aufmarsch nach Erfurt befanden und sie sich spontan entschieden haben stattdessen nach Weimar zu reisen.

Angriff auf DGB-Kundgebung in Weimar

Gegen Abend verdichteten sich Gerüchte, dass die Nazis auf dem Nachhauseweg aus Saalfeld eine Spontandemonstration durch Weimar planten, da der „III. Weg“ auf der Abschlusskundgebung dazu aufgerufen hat. Aus diesem Grund versammelten sich am Freitagabend noch einige Antifaschist_innen am Weimarer Bahnhof, um die Nazis zu empfangen. Anfangs sah es auch so als, als würden sich die Gerüchte bewahrheiten, denn es tauchten drei Dutzend Polizeitransporter auf, mit einer kompletten Hundertschaft beladen. Aus dem Bahnhof tauchten jedoch nur Thomas Holzinger, begleitet von Dirk Liebau (?) und Christopher Seelig auf, die nach kurzer Besprechung mit der Polizei nach Hause fuhren.

Polizeiaufgebot

Holzinger und Liebau in Weimar

Wir solidarisieren uns mit allen Opfern rechter Gewalt.
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Antifa Koordination Weimar im Mai 2015


1 Antwort auf „Der erste Mai und seine Nazis“


  1. 1 Michel Fischer als Security beim Schlossgrabenfest in Darmstadt. « Antifa Koordination Weimar Pingback am 15. Juni 2015 um 18:51 Uhr
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