Archiv für Juni 2015

Festung Europa – Die Toten, von denen niemand wissen will

Am Weltflüchtlingstag, dem 20. Juni 2015, machten einige Aktivist_innen in Weimar auf die unzählig ertrunkenen Menschen an der Mittelmeer-Grenze Europas aufmerksam. Kritisiert wurde die nicht dafür übernommene Verantwortung, sowohl von politischer, als auch von gesellschaftlicher Seite.
Mit dem Ziel daran zu erinnern, wie der Mensch aus Sicht Goethes sein müsse, wurde nun also in den frühen Morgenstunden ein Transparent mit der Aufschrift „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“ am Goethe- und Schillerdenkmal befestigt. Der das Denkmal umgrenzende Theaterplatz wurde großflächig mit schwarzem Kohlenstaub versehen. Es fanden sich Flugblätter mit folgendem Inhalt in der Stadt wieder:


„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen.“ Doch unsere Realität sieht auch am heutigen Weltflüchtlingstag anders aus: dass die Stacheldrahtzäune an den EU-Außengrenzen weder edel, hilfreich, noch gut sind, muss wohl kaum erklärt werden. Trotz der wachsenden Berichterstattung zu den Toten der europäischen Abschottung fehlt ein Bewusstsein dafür, wie viel Verantwortung wir für Flüchtlingskatastrophen tragen. Und so genau wollen wir das vielleicht auch gar nicht wissen – die Verantwortung klebt uns aber an den Sohlen, begleitet uns auf Schritt und Tritt. Wir tragen sie durch die Stadt bis nach Hause. Es hilft nichts, sie zu ignorieren. Inmitten des verdrängenden Alltags auf dem Theaterplatz steht in Weimar das Goethe-Schiller-Denkmal als viel fotografiertes Motiv inhaltsloser Urlaubsbilder. Aber was nützt dieses Weltkulturerbe, wenn es nur hübsch anzusehen ist, aber nichts aussagt? Im Welterbe-Handbuch der UNESCO wird die Welterbekonvention zuallererst als „Instrument für die kulturelle Verständigung zwischen den Völkern“ gesehen. Wie viele Geflüchtete jedoch werden es jemals bis zu diesem Denkmal schaffen?

Zusätzlich wurde am Hauptbahnhof Weimar einen Tag später ein symbolisches Grab in Gedenken an die europäischen Mauertoten ausgehoben.

Blicke an die Ränder der westlichen Gesellschaft sind mehr als notwendig, denn sie lassen das humanistische Weltbild brüchig werden. Sie entlarven betroffene Worte als zynische Heuchelei. Auch wenn die Steine wieder reingewaschen sind – die Verantwortung bleibt. Nach Angaben der Thüringer Landeszeitung wurden vier Aktivist_innen festgenommen und auf der Polizeiinspektion Weimar mit dem Vorwurf der Sachbeschädigung konfrontiert. Außerdem sollen sie die Kosten der Reinigung des Theaterplatzes selbst tragen. Ein nicht unbeträchtlicher Teil kartoffeliger Internetkrieger_innen zeigte sich empört über diese „Verschmutzung öffentlichen Raumes“. Solche Aktionen würden jegliche „Grenzen guten Geschmackes überschreiten“.
Das ist Deutschland, wie wir es kennen! Das ist Weimar, wie wir es kennen! Wir finden es zum Kotzen! Wenn öffentliche Plätze als Protestaktion genutzt werden, beschwert sich der_die deutsche Ordnungbürger_in. Wenn Menschen tausendfach im Mittelmeer ertrinken, gibt es – wenn überhaupt – nur geheuchelte Anteilnahme.
Wir solidarisieren uns an dieser Stelle mit den Aktivist_innen und bekräftigen sie weiter zu machen. Es sind solche Aktionen, die auch wieder Hoffnung machen. Hoffnung, dass es Menschen gibt, die sich mit den bestehenden Verhältnissen nicht einfach so zufrieden geben.

Solidarität mit den Aktivist_innen!
Refugees welcome!

Morgen nach Jena! Nazis gebührend empfangen

Morgen wollen die Neonazis der Europäischen Aktion einen Gedenkmarsch in Jena durchführen. Wir dokumentieren hier den Aufruf der JG-Stadtmitte aus Jena.
EA und Infotelefon werden bei Veröffentlich ergänzt.

Läuft nicht! Am 27. Juni gemeinsam gegen den Nazi-Aufmarsch in Jena

Am 27. Juni 2015 wollen Neonazis in Jena aufmarschieren. Start ihrer “Gedenkdemonstration” ist um 10 Uhr am Seidelparkplatz, von dort aus soll es weiter Richtung Jena-Ost gehen. Teilweise würden sie damit auf einer Strecke laufen, auf der im April 1945 Buchenwald-Häftlinge auf einem der Todesmärsche getrieben wurden.
70 Jahre nach der Befreiung von Faschismus und Krieg gilt es, sich den Neonazis entgegen zu stellen!
Was Neonazis unter “Kampf um die Straße” verstehen, zeigte sich erst kürzlich – am 1. Mai in Thüringen. Ca. 40, dem JN-Spektrum zuzurechnende Neonazis überfielen eine Kundgebung des DGB in Weimar. Am selben Tag wurden in Saalfeld mehrere Punks brutal durch Teilnehmer der Nazi-Demonstration “Der III. Weg” zusammengeschlagen. Die Ausübung von Gewalt gegen Andersdenkende ist Teil der neonazistischen Ideologie.
Das Motto für die “Gedenkdemonstration” der Neonazis soll an Kirsten Heisig, eine Richterin aus Berlin erinnern. Sie wurde mit dem “Neuköllner-Modell” bekannt, das ein beschleunigtes Gerichtsverfahren bei kleineren Delikten jugendlicher Straftäter vorsieht. Kirsten Heisig beging am 28. Juni 2010 Selbstmord.
Die rassistische Mobilmachung der Neonazis liegt auf der Hand: anknüpfend an das „Neuköllner-Modell“ werden Menschen mit Migrationshintergrund nun durch Neonazis als vermeintlich „kriminelle Ausländer“ rassistisch diskriminiert, die Beschleunigung von Strafverfahren und schnelle Abschiebungen gefordert.
Damit wird der Selbstmord Kirsten Heisigs missbraucht.
Angemeldet wurde die Demonstration von Ringo Köhler aus Piesau, der maßgeblich für die „Freiheit für Wolle“-Kampagne verantwortlich ist, mit der Geld für Ralf Wohlleben, mutmaßlicher NSU-Unterstützer, gesammelt wird. Köhler war bei der Organisation des “Thüringentages der nationalen Jugend” in Kahla beteiligt, ist als einer der maßgeblichen Akteure des zwischenzeitlich aufgelösten „Freien Netz Saalfeld“ bekannt und seit Monaten bei den wöchentlich stattfindenden SÜGIDA / THÜGIDA Demonstrationen aktiv. Wegen Neonazi-Symbolen und Körperverletzung an linken Jugendlichen wurde er jeweils zu einer Geldstrafe verurteilt.
Stellvertretender Versammlungsleiter soll Axel Schlimper, „Gebietsleiter“ der „Europäischen Aktion“ Thüringen sein, die der neonazistischen Partei „Der III. Weg“ nahe steht. Schlimper stammt aus der Nähe von Sonneberg, wettert auf Thügida-Demonstrationen gegen vermeintliche “Rassenvermischung” und gegen Juden in Europa. Ebenso schwadronierte er bei einem Neonazi-Aufmarsch am 23.März 2015 in Erfurt über “geheime Pläne” gegen das deutsche Volk: “Eine eurasisch-jüd… negroide Mischrasse soll aus uns gezüchtet werden”. Er fordert die Abschaffung des Volksverhetzungsparagraphen. Ihm gehört der Lautsprecherwagen, der seit Monaten auf fast jeder Thüringer Neonazi-Demonstration eingesetzt wird.
Beworben und angekündigt wurde die Demonstration vom Greizer NPD-Stadtrat David Köckert, dem Kontakte ins „Blood & Honour“-Umfeld nachgewiesen werden können. Köckert tourt seit Monaten unter den Pegida-Ablegern „Sügida“/ „Thügida“ oder unter der Flagge der NPD durch Thüringen. Während das „Freie Netz Jena“ bereits bei den Bürger_innen-Versammlungen in Jena-Winzerla und Jena-Lobeda vergeblich versuchte, das Stimmungsbild zu beeinflussen, starten sie nun mit ihrem Aufmarsch einen weiteren Anlauf ihrer rassistischen Hetze.
Ein breites Bündnis sagt dazu: „Läuft nicht!“ Stellen wir uns gemeinsam gegen Antisemitismus, Faschismus, Rassismus und neonazistische Hetze! Beteiligt euch an den Protesten gegen den Neonazi-Aufmarsch am Samstag, 27. Juni in Jena!

Mehr Infos hier

Michel Fischer als Security beim Schlossgrabenfest in Darmstadt

Vor kurzem postete „Kein Bock auf Nazis“ ein Foto, welches den allseits bekannten Weimarer Neonazi Michel Fischer als Securitymitarbeiter beim „Schlossgrabenfest“ in Darmstadt zeigt. Wir wollem in diesem Zusammenhang noch einmal auf die rechte Ideologie mehrerer Mitarbeiter von „VIP Schild Security“ hinweisen.


Foto von „Kein Bock auf Nazis“

Im Zusammenhang mit der Tatsache, dass Fischer dort als Security-Mitarbeiter angestellt ist, wird beschwichtigend erhoben, dass er lediglich für seinen Vater bzw. seinen Bruder eingesprungen sei. An dieser Stelle müssen wir feststellen, dass über einen Bruder von Michel Fischer nichts bekannt ist und deswegen von seinem Vater, Paul Fischer ausgegangen werden muss.
Der Apfel fällt hier aber nicht weit vom Stamm, denn Vater und Sohn sind beide – oftmals auch zusammen – auf Naziaufmärschen anzutreffen und griffen bereits gemeinsam nicht rechte Jugendliche an.


Vater Paul Fischer (Transparent 3.v.r.) und Sohn Michel Fischer am 01. Juni 2013 in Wolfsburg

Es handelt sich bei der Anstellung von Michel Fischer bei „VIP Schild Security“ keinesfalls um einen „bedauerlichen Einzelfall“, sondern finden dort regelmäßig (Weimarer) Neonazis eine Anstellung und müssen dabei ihre neonazistische Gesinnung nicht verstecken. Sicher ist, dass noch weitere Neonazis bei der Jenaer Firma „VIP Schild Security“ angestellt sind und das Problem bereits bekannt ist.


Weimarer Neonazi Kevin Armstroff als Angestellter von „VIP Schild Security“

Weitere Infos zur „VIP Schild“-Security gibts hier.

Naziouting in Weimar Nord – Kevin Stärker

Gefunden auf linksunten.indymedia:

ACHTUNG – NEONAZI IN DER NACHBARSCHAFT!
Kevin Stärker, wohnhaft in der Marcel-Paul-Straße 96, 99427 Weimar, ist ein ideologisch gefestigter und gewalttätiger Neonazi.Auf mehreren Fotos posiert er offen mit nationalsozialistischer Symbolik, wie etwa einer Hakenkreuz- und einer Keltenkreuzfahne, auf der rechten Bauchseite hat er ein Hakenkreuz, sowie den Leitspruch der SS „Meine Ehre heißt Treue“, auf der Brust den Satz „Life is Pain“ in Reichsfarben tätowiert.
Ursprünglich kommt Stärker aus Gehren in der Nähe von Ilmenau und ist dort bereits als Neonazi in Erscheinung getreten. Schon 2010 hat er sich mit weiteren Neonazis versucht, Zugang zu einer vermeintlich linken WG zu verschaffen, als dieses – eventuell wegen zu starken Alkoholeinflusses – misslang, bewarfen sie das Haus mit Bierflaschen und Böllern.
Lange Zeit hat Stärker in Erfurt gewohnt und war dort als Teil der Neonazigruppierung Aktionsgruppe Erfurt immer wieder auf rechtsradikalen Veranstaltungen anzutreffen, seine Neonazikontakte baute Stärker in dieser Zeit weiter aus. Noch im Mai 2014 hat er bei einem NPD Infostand in Erfurt geholfen.
Stärker nahm 2014 sowohl an bundesweiten Aufmärschen wie in Merseburg oder der HoGeSa-Demonstration in Hannover, aber auch an regionalen Nazievents teil, wie etwa einem JN-Fußballtunier in Erfurt, dem rechtsradikalen Festival „Rock für Deutschland“ oder auch an der NPD-Wahlkampftour im September in Weimar.Kontakt zu organisierten Neonazis besitzt Stärker in ganz Thüringen.
2015 ist Stärker noch nicht auf öffentlichen Versammlungen aufgetaucht, was an seiner neuen Beziehung mit Anni Hoschke und deren Tochter liegen kann. Obwohl Hoschke seit der Beziehung mit Stärker auch an Neonazievents teilnahm und zum Fußballtunier sogar ihre Tochter mitbrachte, kann vermutet werden, dass sich Stärker vermehrt ins Private zurückzieht. Nichtsdestotrotz ist die Wohnung mit Reichsfahnen mit der Aufschrift „Nationaler Widerstand“ und Aufklebern wie „Refugees not welcome“ verziehrt und Stärker immernoch ein Neonazi, was er in sozialen Netzwerken offen zeigt. Beispielsweise kommentiert er ein Foto, das die Gedenkstätte Buchenwald zeigt mit dem Satz „Gute luft xD“.

Zum 01. Juli planen Stärker und Hoschke gemeinsam nach Leipzig zu ziehen und die Nachbarschaft hat glücklicherweise einen Neonazi weniger. Wir wollten dennoch vorher über Stärkers Vergangenheit, Aktivitäten und Ideologie aufklären.

Kevin Stärker vertritt ein rassistisches, antisemitisches und geschichtsverdrehendes Weltbild und schreckt vor Gewalt nicht zurück. Zeigt ihm und seinen NeonazifreundInnen solange, was ihr von menschenverachtender Ideologie haltet.

Faschisten demaskieren!
Nazis das Leben schwer machen!

Weitere Infos und Bilder auf www.linksunten.indymedia.org

Auf geht´s nach Merseburg!

via Antifaschistische Gruppe Merseburg:

Just do it. Again! Nazidemo in Merseburg blockieren!

Provinzstadt Merseburg. An Mauern tauchen regelmäßig neue Nazischmierereien auf, Aufkleber mit nazistischem Inhalt kleben an den Ampeln und Laternen, rassistische Pöbeleien und Angriffe sind Alltag. Nazis dominieren das Stadtbild nach wie vor. Am 20. Juni wollen sie hier wieder aufmarschieren und sich als Hegemonialmacht präsentieren.

Neue Strukturen…
Seit 2011 marschieren Neonazis jährlich durch Merseburg und inszenieren sich als Kämpfer für die Freiheit. Sie nehmen den Arbeiteraufstand vom 17.Juni 1953 zum Anlass, um gegen Flüchtlinge, Europäische Union und Antifaschisten zu hetzen. Nachdem die Demo im letzten Jahr erfolgreich blockiert werden konnte, wurden für dieses Jahr zwei Routen angemeldet. Jedoch nicht, wie die Jahre zuvor, von der lokalen Kameradschaftstruktur, sondern von Christian Worch, dem Bundesvorsitzenden der Partei “Die Rechte”. Seine Partei hat ein Auge auf Sachsen-Anhalt geworfen. In Regionen, in denen zukünftige Asylbewerberheime brennen, sieht man Potential. Zur Landtagswahl 2016 soll sie hier antreten und mit erfolgreichen Demos malt sie sich wohl bessere Chancen aus. Doch nicht nur Die Rechte baut sich hier auf, auch die bayrische Neonazipartei “Der III. Weg” wird in der Gegend aktiv. Im April 2015 wurde der „Stützpunkt Mittelland“ für den Raum „Leipzig, Halle, Merseburg und Umland“ gegründet.

Die Freiheit, die sie meinen…
Der Aufruf in diesem Jahr macht deutlich für welche Freiheit die Nazis auf die Straße gehen wollen. Das diesjährige Motto “Rede & Meinungsfreiheit erkämpfen” versucht an den rechten Redefreiheitdiskurs von Montagsmahnwachen, PEGIDA und LEGIDA anzuknüpfen, um so mehr Teilnehmer zu gewinnen. Wenn diese Gruppierungen den Mund aufmachen, hört man nichts als plumpe, rassistische und antisemitische Stimmungsmache. Sowas wird dann als Meinungsfreiheit gedeutet.
Getreu der Stammtischparole “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen” stellt man sich als Opfer der Justiz dar. Die Spitze des Eisberges der “Unfreiheit und Unterdrückung” des deutschen Volkes finde sich in der juristischen Verfolgung von “Meinungsdelikten”. Dabei ist klar was eigentlich gemeint ist. Die Nazis kämpfen in Merseburg für die Freiheit ungestraft den rechten Arm zu heben, “Sieg Heil” zu schreien und gegen alles zu hetzen, was für sie nicht zur deutschen Volksgemeinschaft gehört.
Volksverhetzung ist ein fester Bestandteil nationalistischer Politik: Die aggressive Abgrenzung gegen alles Fremde und alles, was der nationalen Homogenität nicht freundlich gesinnt ist, soll volksgemeinschaftliche Identität nach Innen schaffen. Die Selbstermächtigung, den Willen der Volksgemeinschaft durchzusetzen, ist das, was sie unter Freiheit des deutschen Volkes verstehen. Für die Folgen dieser Selbstermächtigung sind Bitterfeld und Tröglitz nur zwei Beispiele unter vielen.

Nationalisten stoppen…
Wir gönnen den Nazis keinen Erfolg. Nicht beim Aufbau einer Volksgemeinschaft und nicht beim Abstauben von Wahlkampfmitteln. Wenn die Partei Die Rechte am 20. Juni, gemeinsam mit den regionalen Kameradschaften, durch Merseburg marschieren will, werden wir sie blockieren! Kommt nach Merseburg und macht ihre Demo erneut zum Desaster!