Zum 06.02. alles wie gehabt?

Versuch einer Auswertung

Das jährliche Demoevent in Weimar ist wieder vorbei. Das BgR freut sich, dass „Geschichte nicht verdreht wurde“, die Nazis darüber, dass sie „ehrenhaft gedenken“ konnten und die Polizei darüber, dass „beide Lager voneinader getrennt werden konnten“. Frustriert waren mal wieder lediglich die antifaschistischen Kleingruppen aus Weimar und anderen Städten.
Geneigte Leser*innen werden jetzt aufhorchen und feststellen, dass sie ähnliches schon bei der letzten Auswertung gelesen haben. Allen denen das nicht bekannt vorkommt, empfehlen wir diese noch einmal zu lesen, da wir lediglich diese Kritik fokussieren wollen.

… zu den Nazis.
Insgesamt nahmen in diesem Jahr um die 127 Neonazis am „Trauermarsch“ teil. Die Nazis konnten also ihre Teilnehmerzahl erneut leicht steigern. Alle Teilnehmenden sind hier zu finden. Informationen sind erwünscht.
Zuallerst ist festzuhalten, dass auch hier alles beim Alten blieb. Die Nazis liefen eine Straße rauf und wieder runter, lediglich der Ort hat sich geändert. Im Gegensatz zu den letzten Jahren probierten die Nazis dieses Mal richtig zu trauern, zeigten bedröppelte Gesichter, hatten Kerzen dabei und sogar einen Kranz, der sicherlich noch irgendwo abgeladen wird. Leider hatte der Michel-Fischer-Freundeskreis mit einigen zusätzlichen Angereisten nach der Hälfte der Strecke keine Lust mehr zu trauern (ist ja auch irgendwie langweilig) und stimmten dementsprechend ihre üblichen Parolen an. So wurde erneut der „Nationale Sozialismus“ gefordert. (Sie schienen wohl Lust auf eine erneute Bombardierung zu haben). Am Berkaer Bahnhof, an dem die Nazis abreisten, brachen ein paar von ihnen aus um Gegendemonstrat*innen anzugreifen. Die Polizei ging mit Pfefferspray dazwischen. Informationen zu den beteiligten Nazis sind willkommen. Auf der gesamten Demo hat sich dabei Thomas Holzinger hervorgetan, indem er sich vermummte und mit im schwarzen Blocks lief. Neben ihm wollte sich auch sein Freund Leon Kliffe vermummen, schaffte es aber nicht sein Tuch bis über die Nase zu ziehen. Ihr gemeinsamer Freund Danny Rehberg konnte bisher nicht identifiziert werden. Vielleicht war ihm Holzinger dann doch zu dumm, so sagte er einmal sinngemäß, dass [Holzinger] „[ein] dummer Hohlkopf [sei] der sich auf Demos prügeln möchte.“ Aus Weimar nahmen unter anderem Robin Meyer, Josi Runde, Andy Pruefer, Benny Findeisen, Michael Engling und Adrian Grafe teil.

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„Hohlkopf“ Holzi mit Leon Kliffe</p>
<p>Neben den Weimarer Nazis nahm der „Die Rechte“ Freundeskreis von Michel Fischer teil, so waren die meisten ostdeutschen Landesverbände vertreten. Unter anderem <a href=Alexander Kurth, Gesine Schrader und Sarah Schumann. Außerdem nahmen die Thügida-Organisatoren David Köckert und Axel Schlimper teil. Daneben nahm der Erfurter Julian Treuse teil, der zusammen mit drei anderen jüngeren Nazis ein ekelhaftes antisemitisches Transparent mitführte. Noch ekelhafter allerdings ist, dass die Polizei es nicht, wie bereits am 3. Oktober 2015 in Jena, beschlagnahmte und es Konsequenzen für die Nazis gab. In diesem Fall wurde der Hass auf die jüdischen Menschen sehr drastisch dargestellt und trotzdem schien sich niemand genötigt dagegen irgendetwas zu unternehmen. Auch hier gilt: Gebt den Nazis ein Gesicht!
v.l. Julian Treuse,94,119,118

Linksunten Personenregister
Weitere Teilnehmende entnehmt ihr bitte der Linksunten Kommentarspalte.

… zu den Protesten.
Die Proteste waren wieder einmal durchweg bürgerlich geprägt. Lediglich im Vorfeld organisiserten einige engagierte Antifas mehrere Mobiaktionen, zum Beispiel eine Graffiti-Aktion , ein Mobivideo mit zweifelhafter Musik, aber schönen Bildern und eine Plakataktion entlang der Route. Hier das passende Bild dazu:

„The Walking FETT“

Der Tag selbst war für die angereiste Antifas leider wieder ernüchternd, schlugen doch alle Möglichkeiten durch Polizeiketten aus mangelnder Initiative, zu wenig nachrückenden Menschen oder Pfeffersprayeinsatz fehl. Wir haben auf den Kundgebungen des BgRs eigene Flyer verteilt, um unsere Kritik an den dort stattfindenen Protestritualen auszudrücken. Wir laden den Flyer aber noch einmal gesondert hoch, wollen wir doch unsere lesendes Publikum nicht unnötig strapazieren und werden unsere Gedanken dazu später veröffentlichen.
Neben den Potestritualen des Bürgerbündnisses kritisieren wir vor allem einige von Weimars jüngeren Menschen, also augescheinlich Schüler*innen, Auszubildende und Studierende. Diese Menschen machten nämlich den Protest gegen Nazis zu einer sinnentleerten Party, indem sie mit Musikbox auf die Demo marschierten oder sich wie Raver kleideten. Des weiteren wirkte der Protest wie ein Who is Who der Weimarer Jugendszene. Manche Menschen liefen über die Demo und freuten sich nur darüber, dass Nazis doof und sie selbst da und dagegen sind, also folglich die Guten. Eine inhaltliche Auseinadersetzung fehlte hier vollkommen. Vielmehr schien der Protest zur sich Selbstbeweihräucherung, da mensch ja für die gute Sache ist, zu verkommen.
Einziges Mittel dagegen kann nur ein aufklärerischer Gedanke sein.

… und sonst so?
Bedanken wir uns bei allen Menschen, Gruppen und Journalisten, die nach Weimar gekommen sind, uns unterstützt haben oder anderweitig in Aktion getreten sind. Wir erhoffen uns von euch allen fundierte, sachliche Kritik und probieren im nächsten Jahr gemeinsam Fischers Spektakel effizienter zu stören.

Bis dahin leisten wir weiter antifaschistische Arbeit in Weimar, dokumentieren antifaschistische Aktionen oder kritisieren, das was wir in und um Weimar für kritikwürdig halten.

PS: Danke an Sören Kohlhuber für die Bilder :)

Antifa Koordination im Februar 2016.