Archiv für Mai 2016

Aufruf zur Gedenkkundgebung, anlässlich des 3.Todestags Clément Mérics

Am 05.06.2016 führt die „AK Clément Méric“ um 15.00 Uhr am Wittumspalais eine Kundgebung im Gedenken an Clément Méric durch. Wir rufen zur Teilnahme auf. Wir wollen diesen Tag zum Anlass nehmen speziell Clément Méric, aber auch allen anderen Opfern von neonazistischer Gewalt zu gedenken und unserer Trauer und Verbundenheit Ausdruck zu verleihen.

Clément Méric ist ein, am 5.06.2013 von Naziskins getöteter Anarchosyndikalist und Antifaschist, der an der „Grande Ecole Sciences-Po“ in Paris Politikwissenschaften studierte. Aktiv war Clément unter anderem in der „AAPB“ (Action Antifasciste Paris-Banlieue) und nahm regelmäßig an den Gegenprotesten zu den homophoben Aufmärschen in Frankreich teil. Am Tag seiner Ermordung wollte Clément mit Freund*innen Kleidung kaufen und traf während dessen auf eine Gruppe rechter Skinheads aus dem Umfeld der „JNR“ (Nationalrevolutionäre Jugend) und des „Troisième Voie“ (der dritte Weg). Nach einer kurzen Auseinandersetzung holten sie per Handy Unterstützung. Danach folgte eine heftigere Auseinandersetzung, bei der Clément zu Boden ging und später seinen Kopfverletzungen erlag. Nach der Obduktion gab der Gerichtsmediziner im laufenden Verfahren bekannt, dass er mit einem stumpfen Gegenstand geschlagen wurde und deshalb zu Tode gekommen ist, dieser wollte sich jedoch nicht festlegen, was für ein Gegenstand es gewesen ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach, war es jedoch ein Schlagring oder eine andere Faustwaffe.

Clément Méric ist jedoch leider nur einer von zu vielen, die aufgrund ihres Aktivismus und Engagements ermordet worden sind oder nicht in die Vorstellung einer neonazistischen Volksgemeinschaft passten und deswegen tödlichen Angriffen zum Opfer vielen. Wir wollen diesen Menschen an dieser Stelle gedenken und sie ins öffentliche Bewusstsein zurückholen.

5.06.2016, um 15 Uhr am Wittumspalais in Weimar

Ni oubli, ni pardon!

Remembering means Fighting!

In Gedenken an Clément und alle anderen Ermordeten


Antifa Koordination Weimar, Mai 2016

Wo waren die Weimarer Nazis am ersten Mai?

Auch an diesem ersten Mai fanden mehrere neonazistische Aufmärsche statt. Der Großteil der Weimarer Naziszene trat öffentlich in Erfurt, bei Michel Fischer’s Demonstration von „Die Rechte“ in Erscheinung. Einige fanden jedoch auch den Weg ins vogtländische Plauen, zum „III. Weg“. Am Nachmittag demonstrierten auch Teile der „Die Rechte“ Demonstration aus Erfurt spontan in Weimar.

Der Vorlauf zum 1. Mai 2016
Nachdem Michel Fischer bereits im letzten Sommer seine Demonstration in Erfurt angemeldet hatte, probierte er großflächig zu mobilisieren. Dazu überredete er seine bundesweiten Kontakte Flyer zu verteilen und postete großspurig in seine Facebook Veranstaltung: „Stadt xy fährt nach Erfurt“.

Mobi In Chemnitz

Um die Mobilisierung weiter anzukurbeln führte Fischer am 26. März 2016 ein „Antikapitalistisches Osterwochenende“ in Weimar und Erfurt durch. Die Idee kam jedoch nicht von ihm, sondern geht auf eine Veranstaltungsreihe des „III. Wegs“ zurück, der so ihre Demonstration in Plauen bewarb. An der Kundgebung in Weimar beteiligten sich rund 30 Menschen. Anschließend ging es nach Erfurt, wo noch eine Demonstration abgehalten wurde. Neben Holzinger und Julian Treuse die wie Fischer sehr regelmäßig an Nazievents teilnehmen, konnten insbesondere Nazis aus Sachsen-Anhalt, wie zum Beispiel Matthias Kuppe aus Dessau und Ulf Ringleb aus Ilsenburg nach Weimar mobilisiert werden.

Links Julian Treuse daneben Thomas Holzinger

Letzterer ist Kreisvorsitzender von „Die Rechte“ Harz und versuchte sich als Anti-Antifa Fotograf, was aber misslang. Kuppe hingegen ist dem „Nationalen Kollektiv Anhalt“ zuzuordnen. Neben diesen relativ gefestigten Nazis nahmen auch mehrere Nachwuchs-Nazis aus Weimar und dem Weimarer Land, insbesondere aus Mellingen, an der Kundgebung teil. Inhaltlich war die Kundgebung ein totaler Reinfall, sagte Fischer lediglich drei Sätze und stand sich sonst die restliche Stunde die Beine in den Bauch. Sie knüpfte damit mehr oder weniger an die inhaltlich genauso schwachen Kundgebungen der „Nein zur EU-Diktatur“ Reihe von 2013 an. Diese sorgten dafür, dass sich die NPD-Thüringen von Fischer für kurze Zeit distanzierte, da er „qualitativ minderwertige Veranstaltungen“ durchgeführt hatte. Auch für seine Demonstration am 1. Mai schien er keinen Aufruf, außer „Tradition verpflichtet- Kapitalismus zerschlagen“ zu benötigen.

Fischer behält seine Schäfchen zusammen
Bereits vor dem 1. Mai 2016 war abzusehen, dass sich die Weimarer Nazis in diesem Jahr entscheiden mussten. In diesem Fall zwischen der Unterstützung von Michel Fischer’s Demonstration in Erfurt und einem aktionsorierten Tag mit „Black Block“ in Plauen. So mobilisierte auch die Erfurter Gruppe „Kollektiv 56″ nach Plauen. Von getrübtem Verhältnis zwischen Fischer und K56 ist jedoch nicht auszugehen, nahmen doch Mitglieder am „Antikapitalistischen Osterwochenende“ teil. Schlussendlich kann festgehalten werden, dass die meisten Nazis doch Fischer nach Erfurt gefolgt sind, einige sich jedoch dem aktionsreicheren Aufruf des „III.Ẃegs“ anschlossen. Die meisten Neonazis aus Weimar trafen sich gegen 10:45 am Weimarer Hauptbahnhof, um von dort geschlossen mit dem Zug nach Erfurt zu reisen. So fanden sich neben Thomas Holzinger und Adrian Grafe, die zusammen den Bahnhof betraten, auch noch weitere Neonazis am Hauptbahnhof, unter anderem auch Gesine und Ronny Schrader von „Die Rechte“ aus Berlin ein. Für einen detaillierten Bericht checkt diese Links hier BNR und hier Endstation Rechts

Nazisponti in Weimar
Im Anschluss an die Demonstration von „Die Rechte“ in Erfurt fuhren circa 60 Neonazis von Erfurt nach Weimar und führten eine Spontandemonstration durch. Damit wurden die Gerüchte des BgRs bewahrheitet, dass die Nazis am ersten Mai durch Weimar demonstrieren wollen. Weit sind sie aber auch hier nicht gekommen, war die Thüringer Polizei nicht gewillt den Nazis eine längere Strecke, als die Schopenhauerstraße bis zur Ecke Kuhlmannstraße und wieder zurück zu ermöglichen. Da half auch eine 20-minütige Diskussion Fischers mit den Beamt*innen nicht weiter. Wenig produktiv auf die Koorparationsbereitschaft der Beamt*innen haben sich auch die Parolen der Neonazis ausgewirkt, so wurde mehrmals „Die ganze Welt hasst die Polizei!“ skandiert. Nach der Hälfte der Demonstration hielt Fischer des weiteren eine Ansprache in der er unter anderem sagte: „Heute demonstrieren wir hier in Weimar ohne Gegenprotest“. Leider stimmte auch das nicht ganz, fanden sich doch am Hauptbahnhof einige versprengte Gegendemonstrant*innen ein. Diese wurden von den Nazis sofort bepöbelt. Danach ging es wieder zurück in den Bahnhof. Dort zog die Polizei noch eine Frau aus der Menge, da sie in Erfurt durch das tragen von Verfassungsfeindlicher Kleidung aufgefallen war. Es kam also hier nochmal zu Rangeleien und angeblich soll die Polizei noch einmal ausgeteilt haben. Auch hier beteiligten sich die Nazis, welche am Morgen mit dem Zug nach Erfurt gefahren sind.

Mit der europäischen Aktion nach Plauen
Am bundesweiten größten Naziaufmarsch nahm unter anderem K56 als Teil des „Antikapitalistischen Kollektivs“ teil. Drei Seitentransparente des nationalen „schwarzen Blocks“ wurden von K56 gestellt. Unter anderem nahm Julian Treuse an der Demonstration teil.

Julian Treuse in Plauen

Der bekennende Nationalsozialist Treuse ist ein guter Freund Weimarer Neonazis, insbesondere von Thomas Holzinger und Kevin Armstroff. Neben ihm nahmen auch Alex Köhler und Tobias Pendt an der Demonstration teil. In diesem Jahr nicht, wie 2014 im Block der Weißen Wölfe Terrorcrew Thüringen (Die Kamereadschaft wurde verboten), sondern sie liefen zusammen unter der Fahne der „Europäischen Aktion“, welche von Martin Gärtlein getragen wurde. Daneben nahm Kevin Armstroff am Aufmarsch teil und marschierte zusammen mit Marco Zint und anderen KameradInnen des Bündnis Zukunft Gotha vor dem „schwarzen Block“ her. Hier ist zu beobachten, dass Armstroff zwar den Trauermarsch oder das „Antikapitalistische Osterwochenende“ in Weimar mied, gleichzeitig aber an Demonstrationen in Gotha teilnahm, zum Beispiel am 02. April 2016.

Ein Ausblick in die Tristesse
Abschließend bleibt festzuhalten, dass sich Neonazis gesamtgesellschaftlich im Aufwind sehen. Diese Entwicklung macht auch vor Weimar nicht Halt. Festzumachen ist das zum Einen daran, dass Fischer wieder regelmäßiger in Weimar demonstriert. Das nächste Mal wird am 21. Mai 2016 stattfinden. Auch hier rufen wir zum Protest auf. Weitere Infos werden folgen. Noch dazu konnte auch eine neue Generation Neonazis anpolitisiert werden. Insbesondere die Dörfer des Weimarer Landes, in denen viele Nazis zuhause sind, können getrost als Rekrutierungsumfeld einer neuen Nazigeneration betrachtet werden. Langfristig sollten diese Dorfgemeinschaften von antifaschistischen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen im Auge behalten werden. Da hilft es auch nicht weiter, daran zu glauben, dass z.B. Apolda „bunt“ sei, sondern es müssen Realitäten anerkannt werden. Es muss eingesehen werden, dass hier Nazis zwischen Bratwurst essen und Kirmes ungestört auftreten und ihren Müll in die Gesellschaft herausposaunen können, ohne sich jeglicher Gegenwehr bewusst zu werden. Wie langfristige Interventionen aussehen können bleibt auszuloten. In unserem, nach wie vor unerschütterlichen Optimismus, rufen wir alle Menschen auf, welche ein ernsthaftes Problem mit Nazis auf dem Dorf haben, sich mit uns in Verbindung zu setzen, um über Handlungsoptionen nachzudenken.

Auf dass das Hinterland bald nicht mehr sei!