Aufruf nach Gera 10.09

Warum nach Gera?

Gera scheint alle Eigenschaften der (nicht nur) ostdeutschen Provinz in sich zu vereinen:
Eine zu großen Teilen desinteressierte Zivilgesellschaft, Nazis, die sich praktisch bewegen können wie sie wollen, eine mehr und mehr aussterbende Kulturlandschaft, Wegzug vieler Engagierter in die Ballungsgebiete und Hochschulstädte und ostdeutsches Spieß- und Wutbürgertum.
Als das Rechtsrockfestival Rock für Deutschland vor einigen Jahren noch florierte, war dieses Event immerhin einmal im Jahr ein Grund für Antifaschist*innen nach Gera zu reisen.
Das Rock für Deutschland ist seit 2014 Geschichte, an dessen Stelle sind Veranstaltungen getreten, die sich zwar aus dem gleichen Spektrum generieren, für Gegenproteste aber weitgehend uninteressant sind. Sogenannte Bürgerinitiativen wie Wir lieben Gera, Wir lieben Ostthüringen oder Thügida konnten in der Vergangenheit oftmals unwidersprochen durch Gera marschieren und den Boden bereiten für eine Vielzahl von Angriffen auf linke Projekte, geflüchtete Menschen und Antifaschist*innen.
Die Akteure sind tief in der Naziszene verwurzelt und bestens mit dem Umland, den Städten, Gemeinden und Dörfern vernetzt. Ausgehend von Orten wie Gera und Greiz fahren die Faschist*innen Woche für Woche von Kaff zu Kaff und tragen ihre Menschenfeindlichkeit und ihren Rassismus in die Provinzen Thüringens, Sachsens und Sachsen-Anhalts.
Erst Anfang Juni zielten in Gera zwei Männer mit einer Schusswaffe auf eine vermeintlich Geflüchtete, die mit ihrem Kind unterwegs war. Aktionen wie diese und die Tatsache, dass ein großer Aufschrei mittlerweile ausbleibt, machen klar, dass die rassistische Dauerbeschallung Wirkung zeigt und in breiten Teilen der Bevölkerung angekommen ist.
Eine Gegenöffentlichkeit kann immer schwerer aufgebaut werden. Die wenigen verbleibenden linken oder alternativen Projekte im Umkreis kämpfen mit massiven Bedrohungsszenarien und Überfällen durch Nazis, mangelnder Solidarität und der Willkür der Stadtbehörden.

Stadt, Land, Fluss verteidigen!

Stellvertretend für alle Provinzen, die von den gleichen Problemen betroffen sind und in Solidarität mit den Menschen, die dort jeden Tag eingeschüchtert, bedroht, angegriffen, gedemütigt und am Leben gehindert werden, wollen wir für antifaschistische Strukturen und linke Freiräume auf die Straßen gehen. Wir wollen den Grundstein für eine kontinuierliche antifaschistische Präsenz in der Provinz legen.
Lasst uns den Nazis zeigen, dass ihnen die Straßen, auf denen sie sich momentan so wohlfühlen, nicht gehören. Zeigt im Schulterschluss mit der Provinz, dass es sich lohnt, für antifaschistische Inhalte zu kämpfen.
Setzt ein Zeichen mit uns, dass die ostdeutschen strukturschwachen Regionen noch nicht aufgegeben sind, dass sich Antifaschismus und der Kampf ums Ganze nicht nur in den Metropolen abspielen.
Wir rufen dazu auf, am 10.09.2016 gemeinsam mit einer Demonstration die Provinz zu fluten und im Anschluss bei einem linken Hoffest mit Musik Kontakte zu knüpfen und den Tag ausklingen zu lassen.

ANTIFA BLEIBT LANDARBEIT!


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