Archiv für April 2017

Der 1 Mai in Ostdeutschland!

Wieder einmal nähert sich der 1. Mai, und damit einhergehend die zahlreichen Naziaufmärsche in Deutschland. Selbst das „bunte Weimar“ wurde im letzten Jahr noch mit einer halbstündigen Demonstration durch die Bahnhofsgegend beglückt. Fischer mobilisierte kurzfristig noch Kamerad/innen aus der noch bestehenden Demonstration in Erfurt und kutschierte ca. 50 Neo-Nazis nach Weimar. Michel erklärte kurzerhand Weimar zur national-befreiten Zone und feierte das Ereignis mit dem Satz „Heute stehen wir in Weimar, ohne Gegenprotest“. Doch statt Erfurt scheint er diesmal Halle als „seine Frontstadt“ auserkoren zu haben. So wurde auch die Facebook-Mobi Seite, „Erfurt 1. Mai“, wenige Tage nach der Demo 2016 in „1. Mai Halle/Saale“ umbenannt. Es scheint also auch bei der Betreuung der FB-Seiten personelle Überschneidungen zu geben. Fischer fährt also dieses Jahr mit seinen Weimarer Kamerd/innen nach Halle. Doch nicht nur diese werden dort anwesend sein, auch ein wesentlich militanteres Neo-Nazi Klientel mobilisiert nach Halle, wie bereits Felix M. Steiner letztes Jahr feststellte (Szene-Streit: Militante Neonazis mobilisieren zum 1. Mai 2017 nach Halle/Saale). Doch es gibt dieses Jahr noch mehr zu erleben in Mitteldeutschland, auch in Gera findet dieses Jahr eine Neo-Nazi Demo, organisiert durch den Dritten Weg, statt. Ähnlich wie in Halle gibt es auch hier eine Vorgeschichte zum Dritten Weg und dem ersten Mai. Diese meldeten bereits 2015 in Saalfeld und 2016 in Plauen eine Demonstration an, wo es zu zahlreichen Ausschreitungen kam. Mehr zu lesen unter Zwei Saalfeld-Schläger kommen vor Gericht. Aufgrund der Brisanz beider Aufmärsche, haben wir uns in diesem Jahr dazu entschlossen sowohl nach Gera, als auch nach Halle zu mobilisieren.

1. Mai – Gera: Das Hinterland aufwühlen! III. Weg stoppen! Antifa bleibt Landarbeit!

Am 1. Mai will in Gera der rassistisch-nationalistische Mob der als Partei getarnten Organisation Der III. Weg um das ehemalige Freie Netz Süd aufmarschieren. Die Partei Der III. Weg folgt rhetorisch, inhaltlich und in ihren Aktionen der Agitation „Freier Kameradschaften“ und gibt sich antikapitalistisch. Die Losung „Kapitalismus zerschlagen – für Familie, Heimat, Tradition“ im Aufruf macht dabei deren völkischen, antifeministischen und reaktionären Charakter mehr als deutlich.
Ersichtlich wird dies auch in ihren Publikationen, in denen kein Hehl aus den miteinander verwobenen rechten Ideologieelementen gemacht wird. Von einem Geschichtsrevisionismus, der deutsche Täter*innen zu Opfern verklärt, über verdeckten und offenen Antisemitismus mit dem Aufruf zum Boykott israelischer Waren, bis hin zu massiver Fremdenfeindlichkeit, die sich in Propaganda gegen aus ihren Geburtsregionen geflüchteten Menschen ausdrückt.

Den gesammten Auruf findet ihr auf dem Aktionsblog http://geraaufwuehlen.blogsport.de/.

Für den 1. Mai 2017 wurde in Halle eine Nazidemonstration angemeldet. Die bisher aufrufenden Gruppen lassen eine Anreise mehrerer Hundert militanter Neonazis aus ganz Deutschland erwarten.

Warum die Nazis erneut Halle als Aufmarschort einer 1.Mai-Demonstration gewählt haben, erscheint zunächst nicht nachvollziehbar. Offensichtlich haben sie ihren letzten Maiauftritt in Halle bereits vergessen. Denn 2011 scheiterten sie glorreich und beschritten aufgrund mehrerer entschlossener Blockaden und direkter Aktionen einen nur sehr kurzen Leidensweg durch die Abbruchviertel unweit des Hauptbahnhofs. Halle ist dabei neben Leipzig bisher nicht nur eine der Städte im Osten, in der Naziaufmärschen auch über die Großevents hinaus traditionell mit der nötigen Konsequenz begegnet wird. Darüber hinaus sagt die hohe Fluktuation der hiesigen Nazivortänzer auch etwas darüber aus, was es bedeutet, seine nationalsozialistische Feldpost in Halle zu empfangen: Es macht ihnen selten länger Spaß. Aber auch hier sind die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten zwei Jahre infolge der sogenannten Flüchtlingskrise selbstverständlich nicht spurlos vorüber gezogen. Auch in Halle erreichte die AfD bei den letzten Landtagswahlen knapp 20% und die bis heute wöchentlich stattfindenden fremdenfeindlichen Montagsdemos konnten in ihrer Hochphase im Winter 2015/2016 mehrere Hundert „besorgte Bürger“ mobilisieren. Neonazis agieren in Folge dessen zunehmend offener, selbstbewusster und gewalttätiger. Vor diesem Hintergrund wird auch der erneute Versuch, in Halle endlich einen Aufmarsch und nicht nur einen Spießrutenlauf zustande zu bekommen, nachvollziehbar. Ob dieses Ansinnen mit dem zur Verfügung stehenden Personal erfolgreich sein wird, ist dabei aber zumindest fraglich.

Der vollständige Aufruf, sowie weitere Infos sind zu finden auf: http://nicetobeatyou.tk/