Archiv der Kategorie 'Aufrufe in andere Städte'

I`m tired of waiting for nothing – get in action Aktiv werden gegen Naziaufmärsche, rechte Gewalt und dessen Akzeptanz

Am 01.07.2017 möchte die Partei DIE RECHTE unter dem Motto „Volkswirtschaft statt Finanzlobbyismus“ in Erfurt aufmarschieren. In den letzten Jahren ist Erfurt zudem zu einem Ort geworden, an dem rechte Gewalt alltäglich geworden ist. Wie üblich in einer Stadt mit mittelgroßer Zivilgesellschaft, regt sich natürlich Protest gegen den Naziaufmarsch. Das Treiben der Nazis außerhalb der Aufmärsche und Kundgebungen hingegen bleibt unangetastet, mehr noch, scheint sich eine Art der Akzeptanz, zumindest Tatenlosigkeit eingeschlichen haben. Diese und weitere Themen sollen im Mittelpunkt unseres Aufrufes stehen. Wir rufen an diesem Tag zu dezentralen Aktionen gegen den Naziaufmarsch auf.

Den ganzen Aufruf und mehr Infos findet ihr auf getinaction

Der 1 Mai in Ostdeutschland!

Wieder einmal nähert sich der 1. Mai, und damit einhergehend die zahlreichen Naziaufmärsche in Deutschland. Selbst das „bunte Weimar“ wurde im letzten Jahr noch mit einer halbstündigen Demonstration durch die Bahnhofsgegend beglückt. Fischer mobilisierte kurzfristig noch Kamerad/innen aus der noch bestehenden Demonstration in Erfurt und kutschierte ca. 50 Neo-Nazis nach Weimar. Michel erklärte kurzerhand Weimar zur national-befreiten Zone und feierte das Ereignis mit dem Satz „Heute stehen wir in Weimar, ohne Gegenprotest“. Doch statt Erfurt scheint er diesmal Halle als „seine Frontstadt“ auserkoren zu haben. So wurde auch die Facebook-Mobi Seite, „Erfurt 1. Mai“, wenige Tage nach der Demo 2016 in „1. Mai Halle/Saale“ umbenannt. Es scheint also auch bei der Betreuung der FB-Seiten personelle Überschneidungen zu geben. Fischer fährt also dieses Jahr mit seinen Weimarer Kamerd/innen nach Halle. Doch nicht nur diese werden dort anwesend sein, auch ein wesentlich militanteres Neo-Nazi Klientel mobilisiert nach Halle, wie bereits Felix M. Steiner letztes Jahr feststellte (Szene-Streit: Militante Neonazis mobilisieren zum 1. Mai 2017 nach Halle/Saale). Doch es gibt dieses Jahr noch mehr zu erleben in Mitteldeutschland, auch in Gera findet dieses Jahr eine Neo-Nazi Demo, organisiert durch den Dritten Weg, statt. Ähnlich wie in Halle gibt es auch hier eine Vorgeschichte zum Dritten Weg und dem ersten Mai. Diese meldeten bereits 2015 in Saalfeld und 2016 in Plauen eine Demonstration an, wo es zu zahlreichen Ausschreitungen kam. Mehr zu lesen unter Zwei Saalfeld-Schläger kommen vor Gericht. Aufgrund der Brisanz beider Aufmärsche, haben wir uns in diesem Jahr dazu entschlossen sowohl nach Gera, als auch nach Halle zu mobilisieren.

1. Mai – Gera: Das Hinterland aufwühlen! III. Weg stoppen! Antifa bleibt Landarbeit!

Am 1. Mai will in Gera der rassistisch-nationalistische Mob der als Partei getarnten Organisation Der III. Weg um das ehemalige Freie Netz Süd aufmarschieren. Die Partei Der III. Weg folgt rhetorisch, inhaltlich und in ihren Aktionen der Agitation „Freier Kameradschaften“ und gibt sich antikapitalistisch. Die Losung „Kapitalismus zerschlagen – für Familie, Heimat, Tradition“ im Aufruf macht dabei deren völkischen, antifeministischen und reaktionären Charakter mehr als deutlich.
Ersichtlich wird dies auch in ihren Publikationen, in denen kein Hehl aus den miteinander verwobenen rechten Ideologieelementen gemacht wird. Von einem Geschichtsrevisionismus, der deutsche Täter*innen zu Opfern verklärt, über verdeckten und offenen Antisemitismus mit dem Aufruf zum Boykott israelischer Waren, bis hin zu massiver Fremdenfeindlichkeit, die sich in Propaganda gegen aus ihren Geburtsregionen geflüchteten Menschen ausdrückt.

Den gesammten Auruf findet ihr auf dem Aktionsblog http://geraaufwuehlen.blogsport.de/.

Für den 1. Mai 2017 wurde in Halle eine Nazidemonstration angemeldet. Die bisher aufrufenden Gruppen lassen eine Anreise mehrerer Hundert militanter Neonazis aus ganz Deutschland erwarten.

Warum die Nazis erneut Halle als Aufmarschort einer 1.Mai-Demonstration gewählt haben, erscheint zunächst nicht nachvollziehbar. Offensichtlich haben sie ihren letzten Maiauftritt in Halle bereits vergessen. Denn 2011 scheiterten sie glorreich und beschritten aufgrund mehrerer entschlossener Blockaden und direkter Aktionen einen nur sehr kurzen Leidensweg durch die Abbruchviertel unweit des Hauptbahnhofs. Halle ist dabei neben Leipzig bisher nicht nur eine der Städte im Osten, in der Naziaufmärschen auch über die Großevents hinaus traditionell mit der nötigen Konsequenz begegnet wird. Darüber hinaus sagt die hohe Fluktuation der hiesigen Nazivortänzer auch etwas darüber aus, was es bedeutet, seine nationalsozialistische Feldpost in Halle zu empfangen: Es macht ihnen selten länger Spaß. Aber auch hier sind die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten zwei Jahre infolge der sogenannten Flüchtlingskrise selbstverständlich nicht spurlos vorüber gezogen. Auch in Halle erreichte die AfD bei den letzten Landtagswahlen knapp 20% und die bis heute wöchentlich stattfindenden fremdenfeindlichen Montagsdemos konnten in ihrer Hochphase im Winter 2015/2016 mehrere Hundert „besorgte Bürger“ mobilisieren. Neonazis agieren in Folge dessen zunehmend offener, selbstbewusster und gewalttätiger. Vor diesem Hintergrund wird auch der erneute Versuch, in Halle endlich einen Aufmarsch und nicht nur einen Spießrutenlauf zustande zu bekommen, nachvollziehbar. Ob dieses Ansinnen mit dem zur Verfügung stehenden Personal erfolgreich sein wird, ist dabei aber zumindest fraglich.

Der vollständige Aufruf, sowie weitere Infos sind zu finden auf: http://nicetobeatyou.tk/

Supportet die Antifa Gotha am 1.10.2016

Unterstützt die Antifaschist*innen aus Gotha am 1.10.2016, dort blüht
den Genoss*innen das Gleiche, wie uns am 2.10.2016. Der entsprechende
Aufruf gegen den Aufmarsch von Marco Zint, lässt sich hier finden:
zeckenstress.blogsport.eu

Aufruf nach Gera 10.09

Warum nach Gera?

Gera scheint alle Eigenschaften der (nicht nur) ostdeutschen Provinz in sich zu vereinen:
Eine zu großen Teilen desinteressierte Zivilgesellschaft, Nazis, die sich praktisch bewegen können wie sie wollen, eine mehr und mehr aussterbende Kulturlandschaft, Wegzug vieler Engagierter in die Ballungsgebiete und Hochschulstädte und ostdeutsches Spieß- und Wutbürgertum.
Als das Rechtsrockfestival Rock für Deutschland vor einigen Jahren noch florierte, war dieses Event immerhin einmal im Jahr ein Grund für Antifaschist*innen nach Gera zu reisen.
Das Rock für Deutschland ist seit 2014 Geschichte, an dessen Stelle sind Veranstaltungen getreten, die sich zwar aus dem gleichen Spektrum generieren, für Gegenproteste aber weitgehend uninteressant sind. Sogenannte Bürgerinitiativen wie Wir lieben Gera, Wir lieben Ostthüringen oder Thügida konnten in der Vergangenheit oftmals unwidersprochen durch Gera marschieren und den Boden bereiten für eine Vielzahl von Angriffen auf linke Projekte, geflüchtete Menschen und Antifaschist*innen.
Die Akteure sind tief in der Naziszene verwurzelt und bestens mit dem Umland, den Städten, Gemeinden und Dörfern vernetzt. Ausgehend von Orten wie Gera und Greiz fahren die Faschist*innen Woche für Woche von Kaff zu Kaff und tragen ihre Menschenfeindlichkeit und ihren Rassismus in die Provinzen Thüringens, Sachsens und Sachsen-Anhalts.
Erst Anfang Juni zielten in Gera zwei Männer mit einer Schusswaffe auf eine vermeintlich Geflüchtete, die mit ihrem Kind unterwegs war. Aktionen wie diese und die Tatsache, dass ein großer Aufschrei mittlerweile ausbleibt, machen klar, dass die rassistische Dauerbeschallung Wirkung zeigt und in breiten Teilen der Bevölkerung angekommen ist.
Eine Gegenöffentlichkeit kann immer schwerer aufgebaut werden. Die wenigen verbleibenden linken oder alternativen Projekte im Umkreis kämpfen mit massiven Bedrohungsszenarien und Überfällen durch Nazis, mangelnder Solidarität und der Willkür der Stadtbehörden.

Stadt, Land, Fluss verteidigen!

Stellvertretend für alle Provinzen, die von den gleichen Problemen betroffen sind und in Solidarität mit den Menschen, die dort jeden Tag eingeschüchtert, bedroht, angegriffen, gedemütigt und am Leben gehindert werden, wollen wir für antifaschistische Strukturen und linke Freiräume auf die Straßen gehen. Wir wollen den Grundstein für eine kontinuierliche antifaschistische Präsenz in der Provinz legen.
Lasst uns den Nazis zeigen, dass ihnen die Straßen, auf denen sie sich momentan so wohlfühlen, nicht gehören. Zeigt im Schulterschluss mit der Provinz, dass es sich lohnt, für antifaschistische Inhalte zu kämpfen.
Setzt ein Zeichen mit uns, dass die ostdeutschen strukturschwachen Regionen noch nicht aufgegeben sind, dass sich Antifaschismus und der Kampf ums Ganze nicht nur in den Metropolen abspielen.
Wir rufen dazu auf, am 10.09.2016 gemeinsam mit einer Demonstration die Provinz zu fluten und im Anschluss bei einem linken Hoffest mit Musik Kontakte zu knüpfen und den Tag ausklingen zu lassen.

ANTIFA BLEIBT LANDARBEIT!

Naziaufmarsch in Heiligenstadt und Gotha

Am 31.03 findet erneut ein Naziaufmarsch in Heiligenstadt statt, hierzu verweisen wir auf den Aufruf von YOU CAN GET IT IF YOU WANT IT und den dazugehörigen Audiobeitrag
Rechte Aufmärsche verhindern!

YOU CAN GET IT IF YOU REALLY WANT – RECHTE AUFMÄRSCHE VERHINDERN
Als im vergangenen Jahr, fast pünktlich zum Jahreswechsel 2014/2015, der syrische Bürgerkrieg auch in Europa spürbar wurde, mussten die ersten Geflüchteten ihre Quartiere in thüringischen Niemandsländern beziehen. Es passierte, was keiner glauben wollte, jedoch jede und jeder ohne Wahrnehmungsstörungen erkannte: Die Eingeborenen gruben Fackel und Forke ebenso schnell aus wie die Parteienlandschaft Europas die Nationalstaaterei.
Dass überall in der thüringischen Peripherie eine vernetzte und koordinierte Bedrohung von Leib und Leben für Geflüchtete und deren
UnterstützerInnen auf der Straße tobt, verdeutlicht nur eines: Auf dem Land ist der Staat nicht bis kaum vorhanden, und so er es denn ist,
versagt er in der Ausübung seiner Pflichten, die Würde und die körperliche so wie geistige Unversehrtheit des Einzelnen zu erhalten.

Dieses Vakuum staatlicher Kompetenzen nutzt der tabuenthemmte Mob, um seine Ressentiments und Wut gegen ein schwächeres Glied in der Kette zu entladen. Die Abgrenzung zum Geflüchteten findet nicht aus wirklicher Empörung über vermeintliches Fehlverhalten Geflüchteter,
beispielsweise durch angeblichen Müll im Park, ein sexistisches Frauenbild, das Nichtbeherrschen der deutschen Sprache und vieles
mehr, in unserer Gesellschaft statt.
Vielmehr ist die Zugehörigkeit zum Zwangskollektiv des Volkes der wirkliche Grund für diese Empörung. Hier wird, statt die eigenen Werte
zu hinterfragen und ein gesamtfreiheitliches Weltbild heran zu ziehen, die Identifikation mit dem Altbekannten, nämlich der
Volksgemeinschaft, gesucht.
Eben mit jener Volksgemeinschaft, welche sich ebenso durch ein Heraufbeschwören traditioneller Werte sowie ein veraltetes und
unterdrückendes Frauen- und Familienbild auszeichnet, als auch darüber, die eigene biologische Abstammung zur Herrenrasse herbei zu
fantasieren. Gegenüber Geflüchteten besteht beinahe eine Erwartung gravierenden Fehlverhaltens. Viele dieser Vorurteile beschreiben jedoch die meisten Neonazis und jene, welche sich selbst als besorgte BürgerInnen
ausgeben, viel treffender. So wird vermieden zuzugeben, selbst der eigene Ausdruck der Urängste des Deutschen zu sein: Unordnung,
Schmutz, Kontrollverlust.

Der Versuch, diesen Menschen zu erklären, dass ihnen niemand die gewohnten Privilegien streitig macht, ist verschwendete Zeit.
“Besorgte BürgerInnen” sind aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse und dem Druck, den Erwartungen unserer Gesellschaft
standzuhalten, aufklärungsresistent. Sie suchen einfache Lösungen für komplexe Themen und finden sie bei denjenigen, welche von
unkritischen, naiven Personen profitieren: Rechten Parteien und ihrer von Hass und Ausgrenzung gegenüber Schwächeren getriebenen Ideologie.
Solche “besorgte BürgerInnen” sind der Zulauf für Parteien wie Front National in Frankreich, PS in Finnland, PiS in Polen oder der AfD in Deutschland. Parteien, welche an bestehenden Fortschritten im immer
noch verbesserungspflichtigen Europa kräftig rütteln. Sie bedienen eine völkische Ideologie, mit der sie eine nicht unrelevante Menge begeistern.
Die Idee eines liberalen und demokratischen Europa ist brüchig geworden. Anstatt Rechtspopulisten, Hass schürenden Personen und deren Unterstützerkreisen kontra zu geben, knicken die etablierten Parteien ein – der Mob bekommt, was er will.
Ähnlich wie heute in der Provinz, passierte es in den Neunzigern, als schon einmal die Wohnheime geflüchteter Menschen brannten.
Deutschland schaffte das Asylrecht faktisch ab, anstatt die TäterInnen zu bestrafen. Heute ist es nicht sehr viel anders: Anstatt gegen die
echten und geistigen Brandstifter ernsthaft vorzugehen, wird der Nationalstaat beschworen, die Grenzen hochgezogen und die zahl- und namenlosen Menschen vor den Außengrenzen Europas stehen gelassen oder nicht vor dem Ertrinken gerettet.
Währenddessen verlagert Europa seine Abschottungspolitik in die Türkei und sieht dafür eben über den Krieg gegen die Kurden hinweg.
Genau an dieser Stelle müssen wir standhaft bleiben, Naziaufmärschen vehement entgegentreten, wenn möglich verhindern, die Probleme des
Realkapitalismus benennen und Perspektiven emanzipatorischer Politik aufzeigen. Egal ob am 31.3. in Heiligenstadt oder am 2.4. in Gotha.

Rechte Aufmärsche Verhindern!