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Auch wenn wir Nate 57 aufgrund regressiver Aussagen kritisch betrachten, wollen wir euch das Video nicht vorenthalten.

Gegen den Naziaufmarsch im Februar 2016 in Weimar, den Täter_innen nicht gedenken!

Widersprüche und Ambivalenzen in der neonazistischen „Erinnerungskultur“

Beim kommenden Trauermarsch soll wieder der „Zerstörung“ der Stadt Weimar, durch die alliierten Bomberverbände gedacht werden. Das „Gedenkbündnis Weimar“ beschreibt Weimar -wie im Jahr zuvor- Weimar als „Stadt der Baukunst“, die Opfer des „Bomben Holocaust“ wurde. Wir ersparen uns in diesem Zusammenhang darauf einzugehen, dass die weltbekannte Weimarer Baukunst -also das Bauhaus- für die Nationalsozialist_innen als „entartete Kunst“ galt. Viel mehr wollen wir die Stadt im Kontext der nationalsozialistischen Verbrechen rezipieren.
Bereits 1932 wurde auf Landesebene eine nationalsozialistische Regierung demokratisch gewählt und nach der Machtübertragung 1933 auf Reichsebene, wurde Thüringen nicht ohne Grund als „Trutzgau“ bezeichnet, denn die Gleichschaltung ließ sich hier besonders schnell vollziehen. „Trutzgau“ eine Bezeichnung auf die die regionale Naziszene auch 2015 Bezug nimmt, indem sie beispielsweise Veranstaltungen, wie „Rock im Trutzgau“ abhält . Doch analysiert mensch die Rolle von Weimar im NS genauer, kann festgestellt werden, dass sich führende Nationalsozialist_innen in Weimar äußerst wohl fühlten -darunter auch Adolf Hitler, der wiederholt Weimar besuchte. Die Stadt hatte mit Fritz Sauckel einen Gauleiter an ihrer Spitze, der später als „Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz“ Millionen von Menschen nach Deutschland verschleppte, um sie als Zwangsarbeiter_innen auszubeuten. Zwangsarbeit, etwas von dem die Nationalsozialist_innen auch in Weimar regen Gebrauch machten. So wurde im Jahr 1937 das Konzentrationslager Buchenwald eröffnet, in dem über 56.000 Menschen getötet wurden. Die inhaftierten Menschen wurden von der SS an Firmen in Weimar ausgeliehen, in denen sie Zwangsarbeit verrichten mussten. Von der weimarer Bevölkerung wurde die Existenz eines Lagers nicht infrage gestellt. Lediglich die NS-Kulturgemeinde kritisierte die erste Bezeichnung „KL Ettersberg“ mit der Begründung, dass der Ettersberg untrennbar mit dem Wirken Goethes verbunden sei. Es erfolgte die Umbennenung in „KL Buchenwald post Weimar“.
Mit der Eröffnung des Lagers bezog die „Dritte SS-Totenkopf Standarte“ ihre Kasernen in Buchenwald. Der Leitspruch der SS: „Meine Ehre heißt Treue“ findet sich zum Beispiel auch auf dem Bauch des ehemaligen Weimarer Neonazis Kevin Stärker als Tattoo wieder. Hier wird einmal mehr die Ambivalenz zwischen dem öffentlichen Relativieren der Schuld deutlich und dem gleichzeitigen radikalen Bejahen der nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen.

Wenn am 06.02.2015 Michel Fischer seine Freund_innen zum „Trauermarsch“ nach Weimar einlädt, dann wird es dabei um viel mehr gehen, als die Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen. Bei der neonazistischen „Gedenkkultur“ geht es vordergründig nicht nur um das von „Besorgten Bürger_innen“ und manchen konservativen Politiker_innen propagierte „Schlussstrichziehen“ unter die Geschichte, sondern um die Beendigung des „Schuldkultes“. Zentrale Bedeutung erhält die Frage nach einer klaren Vorstellung der Gesellschaftsstruktur. Die Antworten finden sie in ihrem Wunschdenken, die 30er- und 40er- Jahre wieder aufleben zu lassen: Eine ganz klar abgegrenzte Volksgemeinschaft, die sich durch Nation, „Rasse“, Militarismus, Führerkult usw. definiert und deren Ziel Vertreibung und Vernichtung der „Volksschädlinge“ ist, um und das Alleinstellungsmerkmal des eigenen Volkes zu sichern. Hierbei spielen vor allem szenespezifische Codes eine enorme Rolle. Es geht darum (auch auf öffentlichen Veranstaltungen) so nah wie möglich an relativierende oder leugnende Elemente in Bezug auf die NS- Verbrechen heranzukommen. Sie sehen sich selbst dazu berufen, die quasi ihnen gottgegebene Aufgabe, die „Volksgeschichte“ nicht durch „Medien, Historiker und sonstige Gutmenschen“ verunstalten zu lassen. Das „Heldengedenken“ nimmt dabei einen festen kultischen Platz des neonazistischen „Erinnerns“ ein. Gemeinsam sehen sie sich als derjenige und diejenige, die den „ehrbaren deutschen Soldaten“ heute noch eine Stimme verleihen können. Untrennbar damit verbunden ist die Frage, in welchen gesellschaftlichen Kontextualiserungen, außerhalb der rechtsradikalen Szene, sich ähnliche Denkmuster erkennen lassen. An diesem Punkt setzt der Aspekt des zeitlichen Abstandes ein: Ein historischer „Schlussstrich“ soll gezogen werden, „Irgendwann ist die Aufarbeitung abgeschlossen“ oder „Ich bin nach ’45 geboren“ sind nur einige der skurrilen „Diskursansätze“ zur „NS-Vergangenheitsbewältigung“. Relativierende und leugnende Elemente gehen damit einher. Neonazis wissen, wie sie diese Sprache zu deuten haben, nämlich als gesellschaftspolitischen Erfolg, dass ihre eigenen Thematiken Anklang anstatt Entrüstungen erfahren. Während sie im Generellen eher als „geflügelte Sprache“ wahrgenommen werden. Soweit zur neonazistischen „Gedenkkultur“ im Allgemeinen.

Der Naziaufmarsch und Gegenprotest

Der Trauermarsch in Weimar ist ein fester Termin im Kalender einiger -hauptsächlich- Thüringer Neonazis. Er nimmt damit die Funktion eines identitätsstiftenden Moments ein. Hier können neue Kontakte geknüpft werden und der Stadt Weimar öffentlich ins Gedächtnis gerufen werden, dass auch die Nazis ein integrierter Teil der deutschen Gesellschaft sind. Quantitativ kommt der Trauermarsch dabei bei weitem nicht an die bislang größten Trauermärsche in Deutschland, also Dresden und Magdeburg, heran. Allerdings ist er vergleichbar mit den Trauermärschen in Cottbus und Dessau, welche sich im letzten Jahr in einem ähnlichen Größenfeld bewegt haben. Es gilt als ein regelmäßiges Event, in dem die historischen Kontinuitäten zum Nationalsozialismus gepflegt werden können.
Organisiert wird der Trauermarsch in Weimar von den Überresten der Aktionsgruppe Weimar /Weimarer Land. An erster Stelle ist hier der Tannrodaer Michel Fischer zu erwähnen, der Jahr für Jahr der Hauptinitiator der Demonstration ist. Des Weiteren eingebunden in die Organisationstruktur ist mutmaßlich wieder
Thomas Holzinger, dessen besondere Stärke das Tragen von Fronttranspis ist, wie er letztes Jahr eindrucksvoll bewies. Hier lassen sich auch weitere Verschränkungen zwischen den verschiedenen Naziakteur_innen feststellen, denn neben Holzinger wurde das Transparent von Denny Schwarz aus Erfurt, Alexander Kurth von „Die Rechte“ Leipzig und Julian Treuse, einem Mitglied der Kameradschaft „Kollektiv 56″ getragen. Neben Treuse haben sich auch andere Mitglieder dieser Kameradschaft am letzten Trauermarsch beteiligt, so zum Beispiel Michael Zeise, welcher unter anderem einen Redebeitrag hielt, Philipp Miene, der bereits mehrmals an der Demonstration teilgenommen hat und Ronny Damerow, welcher zusammen mit K56den Volkstrauertag in Friedrichroda besuchte.
Aufgrund dieser personellen Verschränkungen verwundert es nicht, dass am 30. November 2015 Erfurter und Weimarer Nazis durch die Innenstadt zogen und „Weimar bleibt braun!“ und „Hier regiert der RWE!“ gerufen haben. (Wir berichteten)
Neben den Hauptakteuren_innen nehmen auch die Freundeskreise der Weimarer Nazis regelmäßig am Trauermarsch teil. So beteiligte sich zum Beispiel Marcel Ritter, ein guter Freund Holzingers am letzten Trauermarsch. Nachdem Kevin Armstroff bei Thügida auch in Weimar wieder öffentlich in Erscheinung trat, ist die Teilnahme am diesjährigen Trauermarsch nicht auszuschließen. Verzichten müssen wir in diesem Jahr wahrscheinlich auf Christopher Seelig, er macht derzeit Urlaub in der JVA.

Kommen wir im letzten Punkt nun zu den Gegenporotesten des in Weimar hauptsächlich bürgerlich geprägten Spektrums.
Auch in diesem Jahr wird das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus wieder das breite Bündnis „Weimar gegen rechts!“ initiieren, um so „friedlichen, kreativen und lauten Protest“ zu artikulieren. Erwartungsgemäß dürfte sich dazu wieder eine große Zahl an Bürger_innen mobilisieren lassen. Möchte mensch den Naziaufmarsch ernsthaft blockieren wollen, sollte er jedoch lieber eigene dezentrale Konzepte entwickeln. Erwartungsgemäß tritt das BgR zwar offiziell an, um den Naziaufmarsch zu blockieren, die letzten Jahre haben aber gezeigt, dass da nur wenig dahinter stand. So wurde die Blockade letztes Jahr freiwillig geräumt und im Jahr zu vor versagte die Fingertaktik, auch weil sich der zweite Finger einfach dem ersten Anschloss, ganz zu schweigen von den freundlichen Handshakes zwischen Polizeichef Ralf Kirsten und führenden Akteur_innen des BgRs.
Wir sehen ein, dass das BgR zwar eine hohe Anzahl an Menschen mobilisiert, welche zum Teil auch zugänglich für grundlegendere Kritik an der deutschen Gesellschaft sind. Gegen Transparente, wie „Platzverweis für Extremisten […]“ oder auch den Namen „Weimar gegen Rechts“ verwehren wir uns aber in jeglicher Form. Ein buntes Deutschland ist nicht existent, wird es nie sein und liegt nicht in unserem Interesse. Wir wollen kein buntes Deutschland, wir wollen gar keins!(fucksuegida) Auch steht Weimar nicht wie ein einheitliches Kollektiv „gegen Rechts“, sondern protestiert aus diversen Gründen gegen den Naziaufmarsch, sei aus Standortmarketing Gründen oder aufgrund des herbeiimaginierens eines bunten Deutschlands, bei dem „Die Welt zu Gast bei Freunden“ ist, wie zum Beispiel in Heidenau gesehen oder aus dem Grund, das Menschenfeindlichkeit in Gänze hinterfragt und kritisiert wird, die Nazis sind hier jedoch nur der Exponent der bestehenden Gesellschaft.
Wer sich also dem Naziaufmarsch konsequent entgegenstellen möchte, sollte sich seine Mitstreiter_innen lieber außerhalb des BgR suchen, denn diese Versuche sind bisher immer gescheitert. Vernetzt euch untereinander, überlegt euch vorher Möglichkeiten, sich den Nazis in den Weg zu stellen und rennt nicht der trägen Masse am Baudertplatz hinterher. In der kommenden Zeit werden weitere Informationen unsererseits erfolgen.

Also Avanti Antifa! Am 06. Februar 2016 nach Weimar!
Gegen Deutschland und seine Nazis!

Auswertung zum Naziaufmarsch in Weimar am 07. Februar 2015

Das jährliche Nazievent von Michel Fischer ist mal wieder vorüber und alle freuen sich.

Das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus freut sich über die angeblich selbst herbeigeführte Verkürzung der Neonaziroute, klopft sich mal wieder auf die Schulter und ist entzückt über das ach so bunte und demokratische Weimar.
Die Nazis freuen sich, dass sie ein Ründchen durch die Innenstadt drehen durften und die Polizei zeigte sich stolz, dass ihre Taktik aufgegangen ist. Die Einzigen, die mal wieder enttäuscht sind, sind die Antifaschist_innen aus Weimar und den angereisten Städten.

Wir als [AKW] müssen dabei zurückblickend feststellen, dass es nicht gelungen ist, den Naziaufmarsch zu verhindern. Ein Hauptproblem in Weimar ist vor allem die geringe Größe der Route und die massiven technischen Möglichkeiten der Polizei, sowie Erfahrungen die diese in den letzten Jahren in Weimar sammeln konnte, weniger die Zahl der Polizist_innen. So wurde vom Hubschrauber, über Wasserwerfer, bis hin zum Räumpanzer einiges in das kleine Nest Weimar gekarrt und entlang der angemeldeten Route sämtliche Toreinfahrten und Seitenstraßen – teilweise auch zweifach – durch Gitter versperrt. Zusätzlich setzte die Polizei ein unerwartet hohes Aufgebot an Zivilpolizist_innen ein, Von Pseudoagent_innen in dunklen BMWs bis hin zu jugendlich wirkenden Umhängetaschen-Träger_innen gab es Zivilpolizei aller Couleur.
Es ist uns nicht gelungen, den antifaschistischen Protest zu bündeln und klare Strukturen aufzubauen, die von anderen Gruppen genutzt werden könnten. Auf der anderen Seite hat sich in den vorherigen Jahren gezeigt, dass diese Infrastruktur nicht oder nur wenig genutzt worden ist.
Wir werden unsere Fehler kritisch reflektieren und nehmen uns hierbei auch gerne Kritik von außen an. Detaillierte Verbesserungsvorschläge und sonstige Hinweise, die tiefere Einblicke in antifaschistische Strukturen aufweisen könnten, erbitten wir jedoch intern und verschlüsselt.
Anmerken müssen wir weiterhin, dass Weimar nicht über die Möglichkeiten verfügt, konstruktiv-organisierten Protest auf die Beine zu stellen, da das BgR ein enormes Mobilisierungspotenzial besitzt und selbst aktive Antifaschist_innen dem Aufruf des BgR folgen. Alternative Konzepte und Koordinierungspunkte sind daher durch mangelnde Resonanz nicht zu Stande gekommen.

Trotzdem möchten wir uns an dieser Stelle bei sämtlichen Antifaschist_innen, aus Weimar und vor allem von außerhalb fürs Kommen und kreatives Engagement bedanken!

Grundsätzlich finden wir es gut, das versucht wird neben dem radikal antifaschistischen auch ein bürgerliches Spektrum anzusprechen und einzubinden. Zu Standortmarketing-Rufen nach einem „bunten Deutschland/Weimar“ und sinnentleerten Parolen wie „Nazis-raus“ haben wir aus inhaltlichen Gründen jedoch keine Verbindung. Es muss endlich zur Kenntnis genommen werden, dass eine Horde Neonazis nicht einfach so aus dem Nichts kommt und anschließend wieder verschwindet. Sie sind leider ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft und häufig integrierter, als so manch ein „Bratwurst essen gegen rechts“-Demonstrierender wahrhaben möchte.
Auch kritisieren wir das nicht im geringsten vorhandene Sicherheitsverständnis des Weimarer Bürgerbündnisses, sowie die Nähe zur Polizei, in deren Interesse es selbstverständlich nicht liegt, einen Naziaufmarsch zu blockieren oder blockieren zu lassen.
Die um 7 Uhr am Hauptbahnhof errichtete Sitzblockade einer sogenannten Blockadegruppe des Bürgerbündnisses führte zu keinem Erfolg. Wenig verwunderlich, bedenkt man die derzeitig eisigen Wintertemperaturen und die Tatsache, dass die Nazis erst für 12 Uhr mobilisiert haben. Innerhalb der genannten Gruppe war es Konsens grundsätzlich keine Gitter zu überklettern und aufzustehen, wenn die Polizei dazu auffordert. Zwar gab es den Versuch die Blockade als Kundgebung anzumelden, dies wurde von der Versammlungsbehörde jedoch abgelehnt. Nach unserer Meinung war von vorneherein abzusehen, dass ein solches Konzept nicht aufgehen würde und an der Polizei scheitert.
Dass der Weimarer Polizeichef in diesem Zusammenhang „Repressionen androhte“, ist auch nicht sonderlich überraschend. Noch paradoxer ist jedoch dann, dass das BgR gerade mit diesem zumindest in den letzten Jahren zusammenarbeitet hat, statt die Polizei nicht nur als nicht möglichen Bündnispartner gegen Nazis, sondern als politischen Gegner zu betrachten.
Einzig und allein die spontan errichtete Blockade am Zeppelinplatz/Röhrstraße, welche ausschließlich von Antifaschist_innen herbeigeführt wurde, hatte eine Verkürzung der Naziroute und somit zumindest einen Teilerfolg zur Folge. An dieser Stelle, müssen wir uns allerdings die Frage stellen, ob es wirklich ein Teilerfolg war oder ob es von Anfang an die Polizeitaktik war, den Nazis nur die Hälfte der Route abzusichern. Denn ab dem Zeppelinplatz war die angemeldete Route der Nazis nicht mehr durch Gitter abgesperrt oder durch Polizeikräfte gesichert. Ob dies an zu geringer Personenkapazität seitens der Polizei lag, lässt sich nur vermuten.
Weitere Aktionen des BgR wie die Spenden an das Asylbewerber_innenheim und das Obdachlosenheim finden wir sinnvoll und begrüßen diese.

Wir halten jedoch an unserem langfristigen Ziel fest, Naziaufmärsche in Weimar komplett zu blockieren. Jeder Meter ist ein Meter zu viel!

Neben den üblichen Freund_innen Michel Fischers – übrigens Glückwunsch zur neuen Hose – gab es im Vergleich zu den Vorjahren auch einige neue Gesichter.
Insgesamt beteiligten sich nach unserer Zählung 115 Neonazis aus Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen am vierten „Trauermarsch“ in Weimar. Neben Fischer selbst haben fünf weitere Personen Redebeiträge auf der Demonstration gesprochen, so Uwe Dreisch (Landesvorsitz der Partei „Die Rechte“ aus Berlin), Alexander Kurth (Partei „Die Rechte“ aus Leipzig), eine Stadträtin der Partei „Die Rechte“ aus Bautzen, ein Vertreter der Jungen Nationaldemokraten und eine männliche Person, die als Teil des Gedenkbündnisses Weimar angekündigt wurde und mit Symbolen der rechtsradikalen Partei „Der III. Weg“ auftrat.
Aus Weimar oder dem Weimarer Land selbst sind nach unseren Erkenntnissen nur wenige Neonazis zur Demonstration erschienen. Der bekannte Nazi Thomas Holzinger musste diese ohne seinen ständigen Wegbegleiter Chris Seelig durchstehen, auch Kevin Armstroff und der nach Weimar gezogene Kevin Stärker sind nicht auf der Demonstration gewesen.
Als Gruppierungen erkennbar waren Nazis aus dem Nordharz, der Nationale Widerstand Zweibrücken – der auch bereits im Vorfeld Mobiaktionen gemacht hat –, Brigade Halle, das Umfeld der Jungen Nationaldemokraten Erfurt – die mit Weimarer Nazis zusammen zum Magdeburger Trauermarsch gefahren sind –, bekannte Neonazis aus Südthüringen wie Philipp Miene, Tommy Frenck oder Marcus Rußwurm, Nazis aus dem Vogtland und aus Weißenfels, sowie Nazis aus Berlin wie das Pärchen Gesine und Ronny Schrader oder die Personen um das „Reichshauptstadt Berlin“ Transparent, die auch letztes Jahr am Weimarer Trauermarsch teilgenommen haben. Vertreter_innen der NPD waren nicht zu erkennen.
Erste Fotos des Naziaufmarsches findet ihr auf linksunten.indymedia.
Michel Fischer hatte für den 07. Februar neben dem „Trauermarsch“ in Weimar ein abendliches Rechtsrockkonzert in der sogenannten Erlebnisscheune in Kirchheim angemeldet, auf dem sowohl thüringer, als auch überregionaler Neonazibands auftreten sollten und dass laut Blick nach Rechts auch deutlich besser besucht war, als der Aufmarsch in Weimar.
Genaueres unter Blick nach Rechts und Thüringen Rechtsaußen.

Abschließend möchten wir anmerken, dass Weimar ein Dorf ist in dem viele Menschen ein Antifa-Image vertreten und dieses auch oder nur nach außen zeigen, um dann schlussendlich trotz angebotener Möglichkeiten nicht an organisierten Formen des Protestes teilzunehmen.
Und genau deshalb benötigt Weimar dringend eine neue, grundlegende Antifastruktur, die konsequent interveniert, aufklärt und neue Leute gewinnt.
Wir freuen uns, dass sich in diesem Jahr mehr Jugendliche aus Weimar an den Gegenprotesten beteiligt haben. Wenn ihr und eure Freund_innen keinen Bock auf Nazis habt, setzt euch zusammen und organisiert euch.
Wir werden versuchen diese Entwicklung anzustoßen und unseren Beitrag hierbei zu leisten. Wir erhoffen uns hierfür Akzeptanz und Unterstützung, sowohl in Weimar, als auch von außerhalb. Antifaschistisches Leben muss über das regelmäßige Demonstrieren und Blockieren hinausgehen, so werden wir auch weiterhin versuchen, im Alltagsgeschehen anzuknüpfen und antifaschistische Freiräume zu erkämpfen.

Bildet euch, bildet andere, bildet Banden!

Für einen konsequenten Antifaschismus, in Weimar und überall!

Danke noch einmal an alle, die trotz der miserablen letzten Jahre nach Weimar gekommen sind.

Pressespiegel:

Blick nach Rechts
Neues Deutschland
Junge Welt
Störungsmelder Zeit
Wut im Bauch
Welt
MDR
TLZ 1
TLZ 2

Update zum morgigen Weimarer Naziaufmarsch #3

Die Nazis des Gedenkbündnisses haben letzte Woche an Mobilisierung noch einmal zugelegt, verteilten nach Eigenaussage mehrere tausend Flyer in der Weimarer Innenstadt und produzierten ein Mobivideo, in dem über „Bombenterror, der Deutschland […] heimsuchte“, „alliierte Luftmörder“ und „heruntergelogene Opferzahlen“ gefaselt wird. Weitere Nazis und rechtsradikale Gruppen haben angekündigt nach Weimar zu kommen, so zum Beispiel der Nationale Widerstand Zweibrücken, die dem „Bombenholocaust“ in Weimar gedenken wollen. Mittlerweile liegt die Zahl der teilnehmenden Personen auf Facebook bei 105.

Neben dem geplanten Aufmarsch in Weimar veranstaltet Michel Fischer zusammen mit einem Berliner Neonazi am selben Tag ein Rechtsrockkonzert im thüringischen Kirchheim, auf dem sowohl regionale als auch überregionale Bands auftreten sollen. (Genaueres im Artikel von Thüringen Rechtsaußen)

Das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar plant einen Gedenkmarsch um 09:30 aus der Innenstadt (altes Rathaus/Marktplatz) zum Kundgebungsort am Bahnhofsvorplatz, der ab 10:30 Uhr als solcher angemeldet ist. Wir empfehlen weiterhin zeitig anzureisen und den Kundgebungsort am Bahnhof als Orientierungspunkt zu nutzen

Seit gestern sind vom BgR Nummern für Infotelefon, Demosanis und Ermittlungsausschuss bzw. Twitter veröffentlicht:

INFO-TELEFON
Telefon: (01573) 9531057

DEMO-SANIS
Telefon: (01578) 7193871

EA-NUMMER
Telefon: (01575) 2836185

@BgR_Weimar, Hashtag: ‪#‎Weimarreichts‬

Nach dem ganzen Spektakel plant das Bürgerbündnis eine Abschlussdemonstration zurück in die Innenstadt, ob es sinnvoll ist an dieser teilzunehmen, liegt im Ermessen jeder*jedes Einzelnen. Die Polizei kündigt für den 07.02. einen Großeinsatz in Weimar an, dementsprechend kann mit Repression, auch/besonders auf der Abschlussdemonstration, gerechnet werden.

Bis morgen!

Update zum Weimarer Naziaufmarsch im Februar #2

Aller Vorraussicht nach wird die Route der Nazis am 07.02.15 eine andere sein, als von uns skizziert wurde. So deutet viel darauf hin, dass die Nazis nach Verlassen des Hauptbahnhofes auf der Schopenhauerstraße Richtung Frauenhaus laufen und dort auch ihre erste Kundgebung halten werden. Anschließend werden sie vermutlich die Ernst-Thälmann Straße bis zum Amtsgericht laufen. Vorstellbar ist, dass hier eine zweite Zwischenkundgebung stattfinden wird. Von dort aus geht es über die Röhrstraße auf die Fuldaerstraße und wieder zurück auf die Schopenhauerstraße und zum Bahnhof.

Auf der Facebookseite des rechten Gedenkbündnisses schrieben die Nazis, dass eine „Abordnung“ am Magdeburger Trauermarsch am 16.01.2015 teilgenommen habe und für den Weimarer Aufmarsch mobilisierte. Sie sprechen davon, dass die Resonanz „unerwartet hoch“ gewesen sei und weitere Nazis ihre Unterstützung angeboten hätten, sowie selbst zum Trauermarsch in Weimar mobilisieren wollen. Ob das Mobilisierungspotenzial tatsächlich so groß war oder die Nazis auf positive Berichterstattung, setzen lässt sich nicht ausmachen, dennoch kann man festhalten, dass zumindest die Teilnehmendenzahlen des Facebook-Event der Nazis von 77 auf 80 nicht großartig angestiegen sind.

Sicher ist jedoch, dass der Weimarer Neonazi Kevin Armstroff mit zwei weiteren Nazis, die dem Umfeld der JN Erfurt/Sömmerda zuzurechnen sind, am Magdeburger Aufmarsch teilgenommen hat. Generell besteht eine persönliche Verbindung zwischen den Weimarer und Erfurter Nazis, so sind sie jüngst zusammen auf mehreren rechten und rechtsoffenen Demonstrationen anzutreffen, wie der HogeSa Demonstration in Hannover, dem „Lichtermeer gegen rotrotgrün“ und der PEGADA-Demo in Erfurt oder den SüGIDA-Aufmärschen in Suhl. Daher ist damit zu rechnen, dass diese auch am 07.02. den Weg nach
Weimar finden werden.

Allgemein mehren sich rechte Umtriebe in Weimar, so wurde ein Banner des Bündnis gegen Rechts, was am Stadtring auf den Naziaufmarsch am 07.02. aufmerksam machte, von Unbekannten gestohlen und eine Gruppe von Student*innen in der Nähe des Buchenwaldplatzes von Nazis beleidigt und mit einem Schlagstock bedroht. Dieselben Nazis haben laut Thüringer Allgemeine verfassungsfeindliche Symbole in Schneedecken von Autos gezeichnet.

Am 07.02. nach Weimar, den Naziaufmarsch verhindern!