Archiv der Kategorie 'Sonstiges'

Gedenkkundgebung für Alexandros Grigooropoulos

Gerade einen Text von Weimarer Genoss*innen auf Indy gefunden und wie wir finden ein sehr treffender Text. Supported also den Arbeitskreis Alexandros und kommt zur Gedenkkundgebung am 06.12.16 nach Weimar!

Im folgenden könnt ihr den Aufruf zur Gedenkkundgebung für Alexandros lesen:

Am 6.12.2008 wurde in den späten Abendstunden der 15-jährige Alexandros Grigoropoulos von einem Bullen im Stadtteil Exarchia in Athen erschossen. Dieser Todestag jährt sich dieses Jahr bereits zum 8. Mal und macht uns auch dieses Jahr betroffen, traurig und wütend zugleich. Daher wollen wir ihn zum Anlass nehmen, Alexandros und anderen von Cops getöteten und misshandelten Personen zu gedenken und auf aktuelle und immer wiederkehrende Bullengewalt aufmerksam zu machen.

Alexandros wird als einfacher, junger, enthusiastischer Mensch beschrieben, der offensiv an Konflikten in seiner Umgebung teilnahm. Wir haben ihn nie kennengelernt, doch trotzdem fühlen wir uns durch diese feige Tat angegriffen und fühlen mit seinen Verwandten und Freunden. Es war der 6. Dezember 2008 im Athener Stadtteil Exarchia, als an Alexandros und seinen Freunden, während sie in einem Lokal saßen, eine Streife vorbei fuhr. Kurz darauf stiegen die Bullen aus und bewegten sich auf die Gruppe zu. Zunächst kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung, die Alexandros dann mit seinem Leben bezahlen musste, da der Bulle Epaminondas Korkoneas seine Waffe zog und ihn kaltblütig auf offener Straße erschoss. Im Nachhinein wurde versucht das Geschehene zu vertuschen, in dem behauptet wurde, dass Alexandros von einem Querschläger abgegebener Warnschüsse getroffen wurde. Jedoch wurde der Bulle im Oktober 2010 zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes mit direktem Vorsatz verurteilt, doch auch dies wird die Trauer und Wut die wir empfinden nicht schmälern.

Den 6.12.2016 wollen wir zum Anlass nehmen, auch anderen, von Cops Getöteten oder von ihrer Gewalt betroffen Personen zu gedenken, und an die allzu oft vergessenen Fälle zu erinnern, sowie andere Personen auf diese aufmerksam zu machen. So geht es uns auch um Remi Fraisse, der 2014 mit einer Offensivgranate von Bullen getötet wurde, Carlo Giuliani, der 2001 bei den Protesten in Genova erschossen und anschließend überfahren wurde, Oury Jalloh, der 2005 in einer Gefängniszelle verbrannte und all den anderen, die viel zu früh von uns gegangenen sind.

Deswegen kommt am 06.12.2016 um 15.30 Uhr
zur Kundgebung am Goetheplatz (Niketempel)
in Weimar

Neonazi Open-Air im Raum Weimar angekündigt!

Am 20.August 2016 wollen verschiedene Nazigruppierungen ein spektrumsübergreifendes „Freiluftkonzert“ in Mitteldeutschland durchführen. Recherchen des Blogs Thüringen Rechtsaussen (siehe ) legen die Vermutung nahe, dass das Konzert im Raum Weimar stattfinden wird. Zu diesem Open Air sind mehrere für Neonazis hochkarätige Acts, wie „Makks Damage“ oder „Die Lunikoff Verschwörung“ angekündigt. Bisher ist für uns nicht absehbar, wo das Konzert genau stattfinden wird. Sowohl Polizei als auch Stadtverwaltung, bzw. Landratsamt halten sich bisher bedeckt. Sollten wir neue Informationen erhalten, werden wir sie euch umgehend mitteilen.
Trotz alledem rufen wir dazu auf, sich selbst zu schützen. Wir geben allen Menschen zu bedenken, dass an diesem Tag mit Nazikleingruppen im gesamten Stadtgebiet zu rechnen ist. Überlegt euch deswegen genau, ob ihr euch an diesem Tag als Antifaschist*innen zu erkennen geben wollt.

Den antifaschistischen Selbstschutz vorantreiben!

Nazisponti in Weimar!

Am Freitagabend, den 27.11. kam es in Weimars Innenstadt zu unschönen Szenen, denn neben dem Weihnachtsmarkt mit Eisbahn, Glühwein und Thüringer Bratwurst zeigte sich erneut der ein oder andere stadtbekannte Nazi. Zwar mag das nichts Neues sein, immerhin sind die Glühweinbuden neben der Eisbahn und in derSchillerstraße ein beliebtes Ziel der Szene und dort anscheinend auch als Gäste gern gesehen, doch diesmal reichte es dem Kreis um Thomas Holzinger nicht aus. Mensch traf sich (wahrscheinlich) bereits gegen 19.00 vor dem Rewe-Getränkemarkt um sich gemeinsam zu betrinken und den Abend zu verbringen. Als das Maß anscheinend fürs Erste erreicht war, positioniert man sich gegenüber dem stadtbekannten Imbiss „Munzur-Kebap-Haus“ und begann die ersten Parolen rumzugröhlen. So schallte es bis zum Goetheplatz „Frei, Sozial und National“, „Weimar bleibt braun“ und irgendwas mit „Antifa…Straßenkampf“. Den Sprüchen entsprechend gaben sich die rund 25 Nazis auch und bepöbelten und beleidigten Passant_innen, die nicht ihrem Bild vom guten (besoffenen) Deutschen
entsprachen oder Ihnen keine Beachtung schenkten. Anscheinend verbrachten sie zwischen Theater- und Goetheplatz auch die nächsten 2-3 Stunden.
Um kurz vor 10 setzte sich der besoffene Mob, der mittlerweile ca. 30 Nazis beinhaltete, in Bewegung. Dabei war auffällig, dass nicht nur regional bekannte Nazis mit von der Partie waren, sondern auch Hooligans aus der Erfurter Szene. Durch diese Fusion erweiterte sich auch das Sprücherepertoir. Und nun wurde nicht mehr alleinig gegen Antifaschist_innen und Ausländer_innen gehetzt sondern auch gegen den FCC und dessen Anhängerschaft.

Mittlerweile war auch die Aktionsbereitschaft gestiegen, diese Aggresivität fand vor der Post seinen Höhepunkt, als Passant_innen mittleren Alters körperlich angegangen wurden. Schlimmeres konnte ein Streifenwagen verhindern, der den Mob erst zu diesem Zeitpunkt begleitete. Die Polizist_innen sahen anscheinend keinen Grund bereits vorher einzugreifen oder die Täter festzuhalten. Sie ließen sie ungestört weiterlaufen.Der Mob verzog sich danach in Richtung Bahnhof und der ein oder andere Nazi trank infolgedessen ungestört ein weiteres Abendbier im Eurocafè.

Es ist höchst beunruhigend aber auch absehbar, dass Nazis nach Jahren der fehlenden Präsenz, immer mehr ins Weimarer Stadtbild zurückkehren und dass nicht nur als Besucher_in einschlägiger Bars, Teilnehmer_in auf dem Zwiebelmarkt oder Glühweintrinker_in auf dem Weihnachtsmarkt. Gerade nach dem letzten Wochenende, an dem sich kein Widerstand organisieren konnte, ist eine Intervention in diesem Zusammenhang notwendig.

Den antifaschistischen Selbstschutz vorantreiben!

Ps. Wer weitere Hinweise über die Geschehnisse, Abläufe oder beteiligte Personen vom Wochenende hat, kann sich gern über das Kontaktformular an uns wenden.

„Nein zum Heim“ Initiative jetzt auch in Weimar

Schon seit geraumer Zeit tobt Woche für Woche der rassistische Mob in Deutschland. Der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung waren die pogromartigen Ausschreitungen in Heidenau. Quer durch die Bundesrepublik hetzen Neonazis und Rassist_innen gegen Geflüchtete und ihre Unterstützer_innen. Lange Zeit schien es, als ob Weimar von dieser Art der rassistischen Mobilmachung verschont bleibt. Doch seit dem das Bundesamt für Migration die Zahl der Deutschland erreichenden Asylbewerber_innen nach oben korrigiert hat, werden auch in Weimar neue Unterkünfte für Geflüchtete gesucht. So ziehen zum Beispiel die Schüler_innen des BBZ in Weimar-Nord von ihrem Internat in das A+ O Hostel um. Der bisherige Wohnplatz der Schüler_innen wird jetzt für die Geflüchteten hergerichtet. Dieses Szenario rief den NPD Stadtrat Jan Morgenroth auf den Plan, der die Facebook-Gruppe „JA zur Humanität, Nein zum Bevölkerungsaustausch“ gründete.
http://workupload.com/file/tSAjojdt

Bereits unter den ersten Kommentaren zeigt sich das rassistische Potenzial , so wird zum Beispiel mehrmals auf „den Berg“ oder eine „Neueröffnung“ hingewiesen.

Die positive Bezugnahme auf den Nationalsozialismus, insbesondere auch das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald zeigen wohin die deutsche Volksgemeinschaft will. Wir werden den Entwicklungen wachsam folgen und vor allem darauf achten, wann sich die aktionsorientierten Weimarer Neonazis den besorgten Bürger_innen anschließen werden und sich dieser Rassismus offen im Stadtbild manifestiert.

Rassist_innen den Boden entziehen! Die deutsche Volksgemeinschaft überwinden!

Festung Europa – Die Toten, von denen niemand wissen will

Am Weltflüchtlingstag, dem 20. Juni 2015, machten einige Aktivist_innen in Weimar auf die unzählig ertrunkenen Menschen an der Mittelmeer-Grenze Europas aufmerksam. Kritisiert wurde die nicht dafür übernommene Verantwortung, sowohl von politischer, als auch von gesellschaftlicher Seite.
Mit dem Ziel daran zu erinnern, wie der Mensch aus Sicht Goethes sein müsse, wurde nun also in den frühen Morgenstunden ein Transparent mit der Aufschrift „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“ am Goethe- und Schillerdenkmal befestigt. Der das Denkmal umgrenzende Theaterplatz wurde großflächig mit schwarzem Kohlenstaub versehen. Es fanden sich Flugblätter mit folgendem Inhalt in der Stadt wieder:


„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen.“ Doch unsere Realität sieht auch am heutigen Weltflüchtlingstag anders aus: dass die Stacheldrahtzäune an den EU-Außengrenzen weder edel, hilfreich, noch gut sind, muss wohl kaum erklärt werden. Trotz der wachsenden Berichterstattung zu den Toten der europäischen Abschottung fehlt ein Bewusstsein dafür, wie viel Verantwortung wir für Flüchtlingskatastrophen tragen. Und so genau wollen wir das vielleicht auch gar nicht wissen – die Verantwortung klebt uns aber an den Sohlen, begleitet uns auf Schritt und Tritt. Wir tragen sie durch die Stadt bis nach Hause. Es hilft nichts, sie zu ignorieren. Inmitten des verdrängenden Alltags auf dem Theaterplatz steht in Weimar das Goethe-Schiller-Denkmal als viel fotografiertes Motiv inhaltsloser Urlaubsbilder. Aber was nützt dieses Weltkulturerbe, wenn es nur hübsch anzusehen ist, aber nichts aussagt? Im Welterbe-Handbuch der UNESCO wird die Welterbekonvention zuallererst als „Instrument für die kulturelle Verständigung zwischen den Völkern“ gesehen. Wie viele Geflüchtete jedoch werden es jemals bis zu diesem Denkmal schaffen?

Zusätzlich wurde am Hauptbahnhof Weimar einen Tag später ein symbolisches Grab in Gedenken an die europäischen Mauertoten ausgehoben.

Blicke an die Ränder der westlichen Gesellschaft sind mehr als notwendig, denn sie lassen das humanistische Weltbild brüchig werden. Sie entlarven betroffene Worte als zynische Heuchelei. Auch wenn die Steine wieder reingewaschen sind – die Verantwortung bleibt. Nach Angaben der Thüringer Landeszeitung wurden vier Aktivist_innen festgenommen und auf der Polizeiinspektion Weimar mit dem Vorwurf der Sachbeschädigung konfrontiert. Außerdem sollen sie die Kosten der Reinigung des Theaterplatzes selbst tragen. Ein nicht unbeträchtlicher Teil kartoffeliger Internetkrieger_innen zeigte sich empört über diese „Verschmutzung öffentlichen Raumes“. Solche Aktionen würden jegliche „Grenzen guten Geschmackes überschreiten“.
Das ist Deutschland, wie wir es kennen! Das ist Weimar, wie wir es kennen! Wir finden es zum Kotzen! Wenn öffentliche Plätze als Protestaktion genutzt werden, beschwert sich der_die deutsche Ordnungbürger_in. Wenn Menschen tausendfach im Mittelmeer ertrinken, gibt es – wenn überhaupt – nur geheuchelte Anteilnahme.
Wir solidarisieren uns an dieser Stelle mit den Aktivist_innen und bekräftigen sie weiter zu machen. Es sind solche Aktionen, die auch wieder Hoffnung machen. Hoffnung, dass es Menschen gibt, die sich mit den bestehenden Verhältnissen nicht einfach so zufrieden geben.

Solidarität mit den Aktivist_innen!
Refugees welcome!